München, 15.11.2022

Restrukturierung: Trendradar 2023

Was sind die angesagten Themen im Bereich Restrukturierung im Jahr 2023? Auf einer Skala von 1-10: Welche Trends gibt es und welchen „Impact“ haben sie?

Restrukturierungsexperte Daniel Emmrich von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) wagt eine Prognose – im Trendradar 2023.

Sicherung der Finanzierung: Engpass der Zukunft nicht unterschätzen! IMPACT 10
Lieferengpässe und Käuferzurückhaltung beeinträchtigen Umsatzprognose und Wachstumspotentiale. Bestände steigen, Kosten für Material, Energie, Logistik, aber auch Personal ebenfalls. Dies geht direkt zu Lasten der Liquidität mit dem Ergebnis, bei konstantem realen Geschäftsvolumen steigt der Finanzbedarf. Gleichzeitig wird das Ergebnis belastet, der EBITDA ist rückläufig. Das Resultat beider Effekte: Die Finanzierungsbereitschaft der Kreditgeber nimmt adhoc deutlich ab, denn die Risikobewertung verschlechtert das Rating. Zusammen mit den gestiegenen Zinsen treibt das die Finanzierungskosten in die Höhe. Parallel dazu werden im Rahmen von ESG-Regularien neue KPIs und zusätzliche Ratings eingeführt, die sich ebenfalls negativ auf die Risikobewertung der Kreditgeber auswirken. Resultat: Ein gefährlicher Cocktail aus sich überlagernden Effekten der unterschiedlichen Ursachen. Vermeintliche Finanzierungssicherheit die sich nur allzu schnell in Luft auflösen kann. Die Devise der Stunde: Den Überblick bewahren, das „Gesamtpuzzle“ betrachten, Szenarien rechnen! So werden Stellhebel sichtbar und die aktive Gestaltung von Handlungsspielräumen möglich. Ein stetiges Fortführen der Szenarien sorgt zudem für Entscheidungssicherheit, denn ein stetiger Soll/Ist-Vergleich liefert eine fortlaufende Standortbestimmung.

Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells: Jetzt aktiv gestalten und Finanzierungsrisiken vermeiden! IMPACT: 10
Anhaltende operative Verluste, alte ineffiziente Geschäftsprozesse und Kommunikation über intransparente Reporting-Kanäle werden auch im Jahr 2023 nicht fremdfinanziert. Eine Sanierung oder Restrukturierung über ambitionierte Vertriebsplanungen ist unverändert unglaubwürdig. Das Geschäftsmodell muss zukunftsfähig sein, es muss den Effekten der geopolitischen und finanzwirtschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart Rechnung tragen, aber auch den Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit (ESG), Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität genügen: Effiziente Prozesse, schlanke Organisationsstrukturen, transparente (automatisierte) Berichterstellung und eine enge Vertriebssteuerung über Mengen-/Preisgerüste müssen die eingepreisten Risikofaktoren bspw. in Beschaffung, in Energie und Personal ausgleichen. Die aktive Gestaltung der notwendigen Transformation oder Restrukturierung entscheidet, denn „was gestern richtig war kann schon heute falsch sein.“

Beenden des Dauerkrisenmodus: Lösungen konfigurieren! IMPACT: 9
„Wenn nichts mehr sicher ist, ist wieder alles möglich“ – nachdem sich die (Unternehmens-)welt seit Anfang 2020 im konstanten Krisenmodus befindet, wird es Zeit den Dauerkrisenmodus zu verlassen, denn er führt zu Reaktionen. Notwendig ist es jedoch Lösungen zu gestalten. Das Geschäftsmodell und die Wertschöpfungsstrukturen müssen auf den Prüfstand und an den künftigen Markt- und Kundenanforderungen gespiegelt werden. Kostenreduktion um jeden Preis? Das ist kein Garant für ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell, wenn dadurch die Logik der Wertschöpfungsarchitektur zerstört wird. Reduzierung von interner Komplexität, Vereinfachung der Geschäftsprozesse und Fokussierung der Geschäfte verbessern Lieferfähigkeit und Effizient und sichern robuste EBIT-Margen und damit Liquidität und Durchfinanzierung.

Effizient und Skalierung sichern: Logik der Wertschöpfungsarchitektur nicht gefährden! IMPACT 7
Die aktuelle Situation beeinträchtigt Produktions- und Lieferfähigkeit, es können nicht alle Produkte hergestellt und nicht alle Kunden bedient werden. Auch marktseitig kommt es zu Störungen, das Kaufverhalten vieler Kunden verändert sich. Die hohen Auftragsbestände bergen zunehmend Stornorisiken. Es werden also Veränderungen der Mengengerüste und Einschnitte in die Strukturen notwendig sein. Dabei darf die über lange Jahre aufgebaute Logik der Wertschöpfung nicht gefährdet werden, Effizienz- und Skalierungsniveau müssen auch in Zukunft stimmen. Deshalb ist es ratsam, die Anpassungen prozessbasiert vorzunehmen, also nach den Prozessanforderungen der unterschiedlichen Geschäfte. So können die Abläufe optimiert, der Ressourceneinsatz minimiert und trotz veränderter Mengengerüste und Kundenstrukturen Effizienz und Skalierung zumindest gehalten werden.
 
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