München, 11.08.2015

Black Box F&E: Automotive-Branche muss "Buch der sieben Siegel" öffnen

Das weltweite Geschäft der Automotive-Branche hat sich in den letzten Jahren deutlich positiv entwickelt. Doch auf Grund aktueller, technologischer Herausforderungen stoßen die Forschung und Entwicklungs-Abteilungen (F&E) der OEMs und Zulieferer an ihre Grenzen. Das Dilemma: Kürzere Innovationszyklen bei steigender Modellanzahl mit neuen, oft branchenfremden technischen Features, F&E-ferne Aufgaben im Tagesgeschäft und akuter Fachkräftemangel treffen auf steigende Komplexität durch Elektronik und Software sowie eine Vielzahl zu integrierender Systeme. Hinzu kommt: Megatrends verändern Aufstellung und Wertschöpfungstruktur der Automotive-Industrie und die ITK-Industrie wird zum potentiellen Wettbewerber mit ihren spezifischen Elektronik-, Software- und Big Data-Kompetenzen. Die F&E-Abteilung als "Buch mit sieben Siegeln" muss also schleunigst geöffnet werden. Nur so können die richtige strategische Ausrichtung und effiziente Prozesse in Kombination mit leistungsfähigen Strukturen aufgesetzt werden. Das ist die zentrale Aussage des aktuellen Branchendossiers "Black Box F&E: Herausforderungen in der Automotive-Branche" von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P).

"In vielen Chefetagen herrscht Unsicherheit hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der eigenen F&E", weiß Dr. Peter Fey, Branchenexperte und Autor des Dossiers. "Die Effizienz der eigenen F&E entlang der Megatrends in neue Dimensionen voranzutreiben ist das Eine. Wer aber die Branche dominieren will, muss auch bislang branchenfremde Schrittmacher-Technologien kurzfristig adaptieren und beherrschen!"

W&P identifiziert acht zentrale Megatrends, die die Anforderungen an Effektivität und Effizienz der Forschung und Entwicklungs-Abteilungen (F&E) direkt beeinflussen.
  • Electronification & Software Saturation: Elektronik und Software bleiben der Innovationsmotor der Branche und verlangen nach laufenden Anpassungen in den Systemansätzen und den Tools der F&E.
  • Connected Cars: Das Auto wird Teil des "Internet of Things". Die Konvergenz der Datenwelten von Produkt, User und Infrastruktur verlangt nach intensiverer Kooperation mit branchenfremden Unternehmen.
  • Verändertes Nutzerverhalten: Die Generation Y verbindet andere Anforderungen mit dem Wunsch nach Mobilität: Content-basierte Services zielen auf die Erfüllung völlig neuer Nutzenerwartungen der Autofahrer ab, worauf die klassischen F&E-Abteilungen nicht ausreichend vorbereitet sind.
  • Normativ beeinflusste Trends: Entwickler müssen lernen, mit der Bandbreite der Konsequenzen ihrer Arbeit, z.B. bei Advanced Driver Assistent Systems, umzugehen. Entwicklungs-, QS-Konzepte und -Tools müssen gestiegenen, ganzheitlichen Anforderungen gerecht werden.
  • Verlagerung der Wertschöpfungstiefe: Durch die weiter zunehmende Verlagerung der Entwicklungsleistungen auf die Supplier lassen sich erfahrene Entwickler nicht rasch genug aufbauen und Methoden/Prozesse sind vielfach noch nicht zielgerichtet und den Ansprüchen der Kunden/OEMs angepasst.
  • Globalisierung & Regionalisierung: Entwickeln in vernetzten, dezentralen Strukturen schafft neue Rahmenbedingungen und erfordert angepasste Prozesse, was diese zusätzlich verkompliziert.
  • Ökologie & Nachhaltigkeit: Die weitere Reduzierung der Grenzwerte rückt die Arbeiten der Entwicklungsabteilungen immer stärker in den Grenzbereich des technisch machbaren.
  • Variantenvielfalt und kürzere Lebenszyklen: Der Umgang mit der gestiegenen Variantenvielfalt ist nicht nur ein kapazitatives Problem, sondern auch eines der effizienten Nutzung der F&E-Ressourcen, professioneller F&E Prozesse sowie leistungsfähiger Qualitätssicherungskonzepte. Auch bei diesem Klassiker besteht häufig genug noch Anpassungsbedarf.
Die Verantwortlichkeit auf Basis dieser Herausforderungen entsprechende Maßnahmen zur strategischen und operativen Neuausrichtung der F&E zu entwickeln, sieht Fey klar in der Unternehmensspitze: Wirklicher Erfolg stelle sich nur ein, wenn der betreffende Führungskreis dem F&E-Bereich eine klare, an der strategischen Gesamtzielsetzung ausgerichtete Richtung vorgibt und den Bereich auf Effizienz und Zielorientierung bezüglich der neuen und alten Herausforderungen ausrichtet.

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