München, 06.11.2023

Bau- und Bauzulieferer: Trendradar 2024

Was sind die angesagten Themen in der Bau- und Bauzulieferindustrie im Jahr 2024? Auf einer Skala von 1-10: Welche Trends scheuchen die Player aus Ihrer Komfortzone, welchen „Impact“ haben sie auf die Branche?

Dr. Stephan Hundertmark, Partner bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) wagt eine Prognose – im Trendradar 2024.

Nach Rohstoff- und Absatzkrise: Jetzt die Strategiekrise verhindern! IMPACT 10
Das Gros der Unternehmen in der Bauzulieferindustrie hat die Rohstoffkrise in 2021/22 über geschicktes Bestandsmanagement, Zuteilungen und eine konsequente Weitergabe von Preissteigerungen bei Rohstoffen gut überstanden. Stärker trifft viele Unternehmen aktuell die schlechte Baukonjunktur und der Absatzeinbruch. Als Akutmaßnahmen stehen bei vielen Unternehmen daher Kostensenkungen und der Abbau von Leerkapazitäten ganz oben auf der Management-Agenda. Diese operativen Maßnahmen zur Krisenbewältigung im Jetzt sind aber keine ausreichende Antwort auf die kontinuierlichen Veränderungen in Absatzmärkten, bei Kundenerwartungen und Wettbewerbsstrukturen. Die Märkte von morgen sind nicht die von heute und so sind Gesundschrumpfen und freiwillige „Verzwergung“ auch keine guten strategischen Ziele für den langfristigen Unternehmenserfolg. Vielmehr gilt es neben der Steigerung der Business Performance auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit von Produktsegmenten und Produkt-Markt-Kombinationen zu stellen. Zur Vermeidung einer Strategiekrise, dem Verlust von Marktanteilen und der Marginalisierung im Wettbewerb, braucht es daher eine ehrliche und analytisch fundierte Beantwortung dieser Frage. Auf der Basis müssen dann Zielmärkte und Entwicklungsschwerpunkte für die Zeit nach der Krise definiert und bereits heute in den Fokus gerückt werden.

Prefab & Modulare Bauen: Industrielle Revolution erreicht die Bauindustrie! IMPACT 9
Ein Bauarbeiter der 1991 noch ein komplettes Haus gebaut hat, schafft dies heute in der gleichen Zeit nicht mehr. Ein VW-Mitarbeiter, der 1991 einen Golf gebaut hat, schafft heute in der gleichen Zeit fast zwei. Oder anders: Die Produktivität je Arbeitsstunde ist in den letzten 30 Jahren am Bau faktisch gesunken, während sie sich in der produzierenden Industrie fast verdoppelt hat. Dieser alarmierende Befund ist das Ergebnis ausgebliebener Investitionen in Effizienzsteigerungen und Automatisierung am Bau. Hier wird meist noch gearbeitet wie vor Jahrzehnten – nach Gewerken getrennt und Stein auf Stein. Getrieben von Baukostensteigerungen und der Innovationskraft von Start-Ups und Risikokapitalgebern nimmt nun jedoch die industrielle Vorfertigung von Bauteilen und modulares Bauen Fahrt auf. Mit Zeit-, Ressourcen- und Kostenersparnissen ist das die Lösung und zugleich eine fundamentale Transformation, vor der die Bauwirtschaft jetzt steht. Sichtbar wird dies daran, dass neben dem etablierten Fertighaus nun auch der Volumenmarkt im mehrstöckigen Geschosswohnbau in den Fokus kommt. So werden in UK, den Niederlanden aber auch in Deutschland bereits Objekte mit 50, 100 und mehr Wohneinheiten mit industrieller Vorfertigung und modularem Bauen realisiert. Mit der Verlagerung der arbeitsteiligen Wertschöpfung von der Baustelle in die prozessgetriebene industrielle Fertigung in der Fabrik, transformieren sich auch Wertschöpfungsstrukturen, das Beschaffungswesen und die tradierten Technologien zur Bauausführung. Die dynamische Entwicklung dieses Marktes bietet ein Chancenplus für UnternehmerInnen, die mit Initiative und innovativen Lösungen mitgestalten und nicht nur zusehen wollen.

Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit: Kein Ersatz für Nachhaltigkeitsstrategie! IMPACT 8
Ist ein Jahresabschluss mit Lagebericht eine Unternehmensstrategie? Sicher nicht. Also wird auch kein Nachhaltigkeits-Reporting die unternehmerische Willensbildung und Definition einer Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen ersetzen! Diese Feststellung ist wichtig, da gerade die stark mittelständisch geprägte Bau- und Bauzulieferindustrie durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die zugehörigen Reporting Standards (ESRS) vor sportliche bürokratische Herausforderungen gestellt wird. Von der detaillierten Pflichtberichterstattung sind jetzt schätzungsweise allein in Deutschland 15.000 Unternehmen betroffen, wo es bisher nur ca. 500 Konzerne waren. Eine Ausweitung der berichtspflichtigen Unternehmen um 3.000%! Da mag es für viele UnternehmerInnen im ersten Impuls nahe liegen, zu sagen, dass es damit zum Thema Nachhaltigkeit genug sein muss. Damit wird einerseits jedoch der eigene Ambitionsgrad relativiert, der vielfach höher ist als „compliant only“. Andererseits geraten so Wachstumschancen aus dem Blick. Die Nachhaltigkeitswende ist eine tiefgreifende und dauerhafte Transformation von Märkten und der Art, wie wir wirtschaften. Dass es sich dabei nicht nur um Zukunftsmusik handelt, zeigt sich bereits heute in der Verschiebung von Marktanteilen, höheren Wachstumsraten von nachhaltigen gegenüber konventionellen Produkten und in Erwartungen seitens der Fachkräfte und Berufseinsteiger an Nachhaltigkeitsaktivitäten und Ziele eines Arbeitgebers. Um also nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht es strategische Ziele aus einer konsistenten Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie.
 
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