München, 06.11.2014

3. Branchenwerkstatt Möbelindustrie: Trends, Tempo, Taktgeber - Marktführer werden

Auf der deutschen Möbelindustrie lastet ein starker Wettbewerbs- und Preisdruck. Die Forderung der Kunden nach mehr Exklusivität und schnellerer Auslieferung von Neuheiten, der zunehmende Importdruck aus Osteuropa, steigende Online-Anteile sowie starke und wachsende Zulieferer forcieren die Konzentration auf Hersteller-, Handels- und Verbandsseite zunehmend. Wie können Unternehmen diese Trends aufnehmen, damit Tempo machen und so den Takt im Markt angeben? Darüber diskutierte auf der 3. Branchenwerkstatt von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P), die in Kooperation mit der "möbel kultur" sowie den Verbänden der Holz- und Möbelindustrie NRW veranstaltet wurde, diesmal nicht nur das "Who-is-who" der Möbelindustrie: Unter der Schirmherrschaft des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums nutzten auch Vertreter aus der Automatisierungs-, Mode- und Automobilindustrie das Hettich- Forum für einen branchenübergreifenden Dialog.

Branchenexperte und W&P-Partner Dr. Timo Renz führte durch das Programm und machte zu Beginn klar: An aktuellen technischen Umbrüchen und einem veränderten Konsumentenverhalten muss die Möbelbranche noch wachsen. Vor allem an Industrie 4.0 kommt sie nicht vorbei. In Zukunft wird es immer mehr darauf ankommen, schnell und kundenindividuell zu fertigen. Und auch wenn die "Vierte industrielle Revolution" bei den Möblern noch in den Kinderschuhen steckt: Die ersten Losgröße-1-Anlagen sind bereits die Vorboten eines anstehenden Paradigmenwechsels hin zu einer dezentralen Fabriksteuerung. Mittelfristig wird Industrie 4.0 herkömmliche Prozessketten und damit Unternehmens- und Branchengrenzen aufbrechen. So werden völlig neue Player wie spezialisierte Produktionsdienstleister mit hochautomatisierten Anlagenparks im Markt mitspielen, prognostiziert Daniel Fuchsberger, Leiter des Geschäftsbereichs Operations bei W&P: "Wenn Möbelhersteller und der Möbelhandel mit dem stark wachsenden Online-Geschäft Schritt halten wollen, müssen sie deutlich schneller werden - Industrie 4.0 ist deshalb eine große Chance für die gesamte Branche."

Eine Podiumsdiskussion mit Dr. Andreas Hettich (Vorsitzender der Geschäftsführung der Hettich Holding GmbH & Co. oHG), Dr. Ingo Ederer (CEO der Voxeljet GmbH) und Rüdiger Schliekmann (Geschäftsführer der IMA Klessmann GmbH) moderiert von Gerd Hoppe (Mitglied der Geschäftsleitung der Beckhoff Automation GmbH) unterstrich aber auch: Industrie 4.0 bedeutet nicht ausschließlich und automatisch die Herstellung von Losgröße 1. Durch die Möglichkeit der individuellen Fertigung komplexer Produkte in Verbindung mit kurzen Produktionszeiten nimmt vielmehr der Wunsch des Kunden nach Variantenvielfalt bei gleichzeitig schnellerer Auslieferung deutlich zu. Anbieter, die diesem Wunsch nicht entsprechen können, werden im Wettbewerb auf der Strecke bleiben.

Tempo alleine reicht aber nicht aus, um sich als Marktführer zu behaupten. Nur wer durch Innovationskraft "echte Exklusivitäten wachküsst", könne im Markt künftig auch den Takt angeben, weiß W&P-Partner und Leiter des Innovationsbereiches Johannes Spannagl. Dafür müssten Möbler vermehrt branchenübergreifende Ideenquellen - zum Beispiel Open Innovation Plattformen - anzapfen. "Durch vernetztes Denken und Handeln sowie eine gemeinsame Vision kann man über die begrenzten Möglichkeiten der "Eigen-Optimierung" hinauswachsen und das Innovationsniveau steigern. Tempo heißt also nicht einfach nur "Gas geben", sondern erfordert zielgerichtetes Vorgehen", so Gastgeber Dr. Andreas Hettich.

Individuelle Kundenwünsche sollten dabei ebenso im Zentrum der Innovations- fähigkeit stehen - so der einhellige Tenor der zweiten Podiumsdiskussion, moderiert von Jörn Holzmann (Herausgeber der möbel kultur), Philipp Prechtl (Head of Retail der Jack Wolfskin Ausrüstung für Draussen GmbH & Co. KGaA), Dr. Philipp Kreibohm (Geschäftsführer und Gründer der Home24 GmbH) sowie Heidrun Brinkmeyer (Geschäftsführende Gesellschafterin Ballerina Küchen).: Damit Individualisierung in der Möbelbranche auch "funktioniert", müssen die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden zur essentiellen Basis der Produktentwicklung werden. Eine aktuelle W&P-Studie hierzu zeigt: dass eine um 35% höhere Integration von Kundenwissen in den Innovationsprozess den durchschnittlichen Neuproduktanteil um 37% erhöhen kann.

Die steigende Variantenvielfalt trifft nicht nur die gesamte Möbelbranche, sondern auch die Automobilproduktion in hohem Maße, führte der abschließende Key-Note- Speaker Dr. Stefan Niemand, Leiter Produktplanung Audi AG, aus. Seine Empfehlung: Ein durchgängiges Komplexitätsmanagement auf Basis einer Baukasten- und Modulstrategie mit den Erfolgsfaktoren Ordnung, Transparenz und finanzielle Bewertung.


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