Was passiert mit einem Konsortialkredit, wenn das finanzierte Unternehmen in die Krise gerät – und welche Stellhebel bleiben dann noch? Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt des Executive Dialogs von Wieselhuber & Partner gemeinsam mit HEUKING und Patrimonium. Diskutiert wurden die Anpassungsfähigkeit bestehender Finanzierungsstrukturen sowie zusätzlicher Liquiditätsbedarf in kritischen Phasen.
„Gerät ein Konsortialkredit in die Restrukturierung, treffen im Konsortium unterschiedliche Sichtweisen und Interessen aufeinander“, so einleitend Volker Riedel, Managing Partner bei W&P.
Die Rolle der Kreditdokumentation als zentrales Steuerungsinstrument in der Krise arbeitete Sandra Pfister, Partner bei HEUKING, heraus. Covenants, Informationspflichten und vertragliche Anpassungsoptionen ermöglichen es Kreditgebern, frühzeitig zu reagieren und ihre Verhandlungsposition aktiv zu gestalten.
Beliardis Ehlert-Gasde, Rechtsanwältin bei HEUKING, vertiefte die Auswirkungen der Covenant-Systematik im Krisenverlauf. Financial Covenants und die daraus resultierende Eskalationslogik reichen von drohenden Verletzungen über Draw Stops bis hin zu Kündigungsrechten und bestimmen zugleich die Anforderungen an Waiver-Prozesse innerhalb des Konsortiums. Waiver, Standstill-Vereinbarungen und Amendments sichern Verhandlungsspielräume und ermöglichen Sanierungslösungen. Entscheidend bleibt ein frühzeitiges und transparentes Vorgehen des Kreditnehmers gegenüber den Finanzierern.
Die Frage nach zusätzlichem Liquiditätsbedarf griff Eva Ringelspacher, Mitglied der Geschäftsleitung bei W&P, auf und beschrieb die Dynamik innerhalb von Kreditgebergruppen: „Die Entscheidungsprozesse sind oft zäh – und am Ende geht es genau um die Frage, ob das Konsortium den weiteren Weg überhaupt noch begleiten will oder kann. Niemand will derjenige sein, der den Stecker zieht.“ Ob bestehende Kreditgeber weiteres Kapital bereitstellen, hänge maßgeblich von Vertrauen, Transparenz und der bisherigen Entwicklung des Engagements ab. Unterschiedliche Risikoeinschätzungen, regulatorische Anforderungen sowie strategische Überlegungen einzelner Banken beeinflussen die Entscheidungsfindung maßgeblich.
Ergänzend lieferte Johannes von Neumann-Cosel, Managing Director bei Patrimonium Asset Management, die Perspektive alternativer Finanzierer. Er verdeutlichte, wie selektiv Private-Credit-Investoren agieren und nur in ausgewählte Situationen mit attraktivem Chance-Risiko-Profil investieren. Häufig kommen sie ins Spiel, wenn klassische Bankenkonsortien an Grenzen stoßen und zusätzliche Liquidität nicht mehr darstellen können. Mit der Einbindung externer Finanzierer gehen regelmäßig strukturelle Anpassungen bei Sicherheiten und Rangverhältnissen einher. Gleichzeitig entstehen so Optionen für Restrukturierungen, wenn innerhalb des Konsortiums keine tragfähige Lösung mehr erzielt wird.
In der anschließenden Diskussion verdichteten sich mehrere zentrale Punkte: Frühzeitiges Covenant-Monitoring erhält Gestaltungsspielräume, während mit Eintritt eines Covenant-Bruchs die Verhandlungsführung weitgehend auf die Kreditgeber übergeht. Gleichzeitig zeigte sich, dass zusätzliche Sicherheiten und Fresh Money zwar zentrale Hebel sind, ihre Umsetzbarkeit jedoch stark von rechtlicher Struktur, vorhandenen Sicherheiten und den internen Vorgaben der Finanzierer abhängt. Auch die Rolle externer Investoren bleibt selektiv – sie kommen häufig erst dann zum Zug, wenn innerhalb des Konsortiums keine tragfähige Lösung mehr erreichbar ist.
Im Ergebnis bestätigt sich die Praxisperspektive: Erfolgreiche Lösungen im Konsortialkredit entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel aus strukturierter Vorbereitung, belastbarer Entscheidungsgrundlage und einer konsensfähigen Lösung im Kreis der Finanzierer.