Fokus des Executive Dialogs von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P), in Kooperation mit K&L Gates und der ELF Capital Group: Die Einsatzmöglichkeiten luxemburgischer Strukturen bei Finanzierungen in Sondersituationen sowie deren Bedeutung für Cross-Border-Restrukturierungen – insbesondere im Vergleich zur Vollstreckung Verwertung verpfändeter Gesellschaftsanteile nach deutschem Recht und die daraus resultierenden Handlungsspielräume für Fresh Money.
Gerade in angespannten Situationen gewinnen alternative Strukturierungsoptionen an Bedeutung, nicht nur im Immobilienkontext, sondern auch in klassischen Finanzierungen. „Fresh Money ist aktuell ein spannendes Thema – im Kontext von Immobilien, aber auch von normalen Finanzierungen“, so einleitend W&P Managing Partner Volker Riedel ein.
Im Vergleich zwischen Luxemburg und Deutschland zeigten Dr. Andrea Spellerberg und Dr. Jan Boeing, Partner bei K&L Gates LLP, die strukturellen Unterschiede beider Rechtsräume auf. Während in Deutschland formale Anforderungen, Verwertungsprozesse und Restriktionen den Handlungsspielraum prägen, ermöglichen luxemburgische Strukturen eine deutlich größere Flexibilität. Zugleich wurde deutlich, dass sich durch die flexible Ausgestaltung von Sicherheiten – etwa bei Stimmrechten, Verwertungsformen oder Auslösern – die Durchsetzbarkeit von Ansprüchen erheblich verbessern kann. Gerade diese Verlässlichkeit gilt als zentraler Faktor für die Bereitschaft von Kapitalgebern, in Sondersituationen zusätzliches Kapital bereitzustellen.
Die praktische Perspektive ergänzte Christian Fritsch, geschäftsführender Gesellschafter der ELF Capital Group: Anhand konkreter Fälle machte er deutlich, dass die Vewertung verpfändeter Gesellschaftsanteile im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung in Deutschland häufig zeitaufwendig und konfliktanfällig sind, während ein LuxCo Enforecement eine schnelle, diskrete Übernahme von Kontrolle ermöglichen und damit die Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen deutlich beschleunigen.
Aus Sicht der finanziellen Restrukturierung ordnete Eva Ringelspacher, Mitglied der Geschäftsleitung bei W&P, das LuxCo Enforcement klar ein: „Das luxemburgische Recht zur Verwertung von Finanzsicherheiten gilt international als sehr gläubigerfreundlich, schnell und kosteneffizient.“ Vor diesem Hintergrund wird die Möglichkeit des LuxCo-Enforcements zum zentralen Instrument, um Blockaden durch Gesellschafter zu überwinden, die Kontrolle über den Restrukturierungsprozess zu sichern und damit die Voraussetzung für die Bereitstellung von Fresh Money zu schaffen.
Die Werkstattdiskussion machte deutlich: Während die LuxCo-Struktur im Private-Equity-Umfeld häufig bereits in der Finanzierungsstruktur angelegt ist, lässt sie sich in angespannten Situationen nur mit erheblichem Aufwand nachträglich implementieren. Entscheidend ist daher eine frühzeitige strukturelle Vorbereitung, um im Krisenfall handlungsfähig zu bleiben. Insgesamt bestätigte sich: Für die Bereitstellung von Fresh Money ist nicht allein die rechtliche Position entscheidend, sondern vor allem die Fähigkeit, schnell Kontrolle zu übernehmen und Restrukturierungsmaßnahmen umzusetzen.
Fazit? LuxCo-Enforcement ist kein Nischenthema, sondern ein zentraler Bestandteil im Werkzeugkasten der finanziellen Restrukturierung.