Die Wettbewerbsfähigkeit des Chemiestandortes Deutschland – Bestandsaufnahme, Bewertung und strategische Konsequenzen, insbesondere für mittelständische Unternehmen (in Kooperation mit dem VCI)

Noch überwiegen für mittelständische Unternehmen der chemischen Industrie die Standortvorteile im Inland. Doch die Attraktivität des Standortes Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert – wunder Punkt ist vor allem die kostenseitige Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich. Konkrete Ideen, wie der Mittelstand damit einhergehenden Herausforderungen begegnen kann, sind rar.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Die Wettbewerbsfähigkeit des Chemiestandortes Deutschland – Bestandsaufnahme, Bewertung und strategische Konsequenzen, insbesondere für mittelständische Unternehmen" von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) in Kooperation mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Management Summary

Die deutsche Chemie- und Pharmabranche ist als Zulieferer vieler weiterverarbeitender Industrien ein elementarer Pfeiler der deutschen Wertschöpfung. Mit rund 2.000 mittelständisch geprägten Betrieben ist sie zudem eine wichtige Säule des deutschen Mittelstandes. Doch die makroökonomischen Faktoren Deutschlands verschlechtern sich – und auch das Umfeld für die hier angesiedelte chemische Industrie wird zunehmend schwieriger.

Nach wie vor überwiegen zwar die Standortvorteile, bei genauer Betrachtung zeigt die Analyse aber einige wunde Punkte auf und signalisiert eine Verschlechterung der Standortattraktivität für den chemischen Mittelstand: Die Mehrheit der befragten Unternehmen sehen die Verfügbarkeit von Fachkräften, das Innovationsklima, die Rechts- und Planungssicherheit, den generellen Umgang mit Behörden und Verwaltung und die Infrastruktur als Pluspunkte der industriellen Fertigung in Deutschland. Dagegen gibt bei nahezu allen Unternehmen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Anlass zu Sorge. Die Produktionskosten sind im internationalen Vergleich hoch. Dies stellt gerade für in Deutschland verankerte mittelständische Unternehmen eine echte Herausforderung an die Zukunftssicherung dar.

Unisono werden wesentliche Kostennachteile angeprangert: Mit hohen Personalkosten können die Unternehmer inzwischen umgehen. Weiterhin erheblich zu schaffen machen die Energiekosten, sowohl hinsichtlich absoluter Höhe im internationalen Vergleich als auch hinsichtlich einer stabilen Kalkulationsgrundlage, die durch ständige Novellierungen der Gesetze nicht gewährleistet ist. Hinzu kommt ein stark steigender Bürokratie- und Regulierungsaufwand durch Verordnungen und Vorschriften, die gerade mittelständische Unternehmen ihrer Stärke berauben – ihrer Flexibilität im Kundenservice und ihrer Bereitschaft, Sonderlösungen und Spezialprodukte unkompliziert den Kunden bereitzustellen.

Die Standortnachteile wiegen umso schwerer, als das Marktwachstum in Deutschland und Europa gering ist. Wachstum findet vor allem außerhalb von Europa statt und dort muss sich der deutsche Mittelstand einer zunehmenden Konkurrenz erwehren. Ein Teil der Probleme ist hausgemacht, denn ein erheblicher Teil des Produktionskostennachteils geht auf politische Entscheidungen zurück. Der Regulierungsaufwand stieg in der Vergangenheit ebenso rasant wie die Kostenbelastungen aus der Energie- und Klimapolitik. Die Unternehmen fühlen sich von der Politik allein gelassen und führen dies unter anderem auf ein wenig ausgeprägtes gesellschaftliches Verständnis für unternehmerische Belange zurück. Politik und Bevölkerung wenden sich aus Sicht der befragten Unternehmen vermeintlich gegen den Industriestandort Deutschland und drohen die Wettbewerbsfähigkeit zu untergraben.

Verstärkt wird das Problem durch die gleichzeitig steigende Wettbewerbsfähigkeit der globalen Konkurrenz. So profitiert die USA, angetrieben durch den Shalegas-Boom und ein unternehmerfreundliches Klima von einer Reindustrialisierung. Asien schließt technologisch und qualitativ zu den führenden Nationen auf. Zudem bietet es eine sich rapide entwickelnde Nachfrage nach Konsum- und Industriegütern aufgrund steigenden Wohlstands in bevölkerungsreichen Teilen wie China, Indien oder auch Indonesien. Dennoch bekennt sich der Mittelstand zum Heimatstandort und sieht seine Zukunft auch weiterhin in Deutschland. Leiten viele Konzerne aufgrund des attraktiven Markwachstums und den besseren Produktionsbedingungen ihre Investitionen mehr und mehr in Richtung Ausland, ist der Mittelstand hier zurückhaltender. Weniger als 25 % der befragten kleinen und mittleren mittelständischen Unternehmen planen im Ausland Produktionskapazitäten aufzubauen. Die mangelnde globale Flexibilität ist u. a. auf das erschwerte Anwerben von Fachpersonal oder die geringen finanziellen Ressourcen zurückzuführen. Während die Konzerne daher leichter mit einer Verlagerung von Aktivitäten auf die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland reagieren können, ist der Mittelstand von den negativen Standortfaktoren stärker betroffen. Wegen der Standorttreue des Mittelstandes mutet die Politik den Unternehmen hohe Belastungen zu. Die Befragung macht jedoch deutlich, dass hierbei mittlerweile die Schmerzgrenze überschritten ist.

Mit hohen Produktionskosten im globalen Wettbewerb zu bestehen, verlangt den Unternehmen einiges ab. Viele Unternehmen versuchen über die weitere Verstärkung ihrer Innovationsanstrengungen gegenzusteuern. Doch hier stößt der Mittelstand an seine Grenzen, denn oftmals fehlt das Kapital, um die Innovationskraft zu erhöhen: Die Projektfinanzierung ist zu bürokratisch. Sie kommt im Mittelstand kaum an. Eine steuerliche Forschungsförderung fehlt hingegen. Fremdkapital steht für Forschung und Entwicklung kaum zur Verfügung und die Eigenkapitalbasis ist durch hohe Steuern, Abgaben, Bürokratiekosten und die EEG-Umlage geschwächt. Die knappen Ressourcen in die richtigen Innovationsprojekte zu lenken, stellt für den Mittelstand eine echte Herausforderung dar.

Gleichzeitig beabsichtigen über 60 % der mittelständischen Unternehmen von ihrem deutschen Produktionsstandort aus, die Wachstumschancen im sich bietenden globalen Marktumfeld zu nutzen. Doch das ist kein Selbstläufer. Es müssen gezielt Markterschließungsstrategien entwickelt werden, denn die Ressourcen zur Vertriebssteuerung oder zum Feuerwehreinsatz, wenn ein entfernt sitzender Kunde ein technisches Problem meldet, sind im Mittelstand begrenzt.

Bei den Produktions- und Geschäftsprozessen gibt es weitere Verbesserungspotenziale. Haben sich gerade chemische Unternehmen in Deutschland als Vorreiter in Sachen Optimierung ihrer Ressourceneffizienz, also der bestmöglichen Nutzung von Rohstoffen und Energien hervorgetan, kann der Mittelstand die Ertragskraft und damit die Wettbewerbsfähigkeit durch eine Optimierung der Geschäftsprozesse weiter steigern. Themen wie die Maximierung der Anlagenauslastung durch kennzahlengesteuerte Fertigungsplanung oder der Anpassung des Produktsortiments an eine möglichst verlustfreie Produktion sind allerdings bisher erst bei der Hälfte der Unternehmen auf der Maßnahmenliste zu finden.

Zusammenfassend sind sich die befragten mittelständischen Unternehmen einig, dass sie am Standort Deutschland festhalten wollen und müssen. Zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit ergreifen sie daher Gegenmaßnahmen. Aus Sicht des externen Betrachters schlummern hier noch erhebliche Optimierungspotenziale, die gehoben werden müssen. Dies allein wird jedoch nicht ausreichen, um auch in Zukunft erfolgreich im globalen Wettbewerb zu bestehen. Erst mit der richtigen industriepolitischen Weichenstellung kann der chemische Mittelstand auch in Zukunft auf der Erfolgsspur bleiben.
Inhaltsverzeichnis 
1
Vorgehensweise und Gegenstand der Studie
1.1
Fokus der Studie
1.2
Vorgehensweise
1.3
Relevante Standortfaktoren
1.4
Statistische Angaben zu den teilnehmenden Unternehmen

2.
Ergebnisse der Studie
2.1
Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit wichtiger Chemiestandorte
2.2
Bedeutung der Standortfaktoren
2.3
Standortattraktivität Deutschlands und deren Veränderung innerhalb der letzten fünf Jahre
2.4
Attraktivität der Standortfaktoren in Deutschland nach Sparten
2.5
Auswirkungen der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit auf die Investitionen in Deutschland
2.6
Auslandsinvestitionen der deutschen Chemieindustrie
2.7
Strategische Antworten

3.
Einschätzung aus W&P-Erfahrung zu den wichtigsten strategischen Antworten
3.1
Innovation: Ohne die richtige Idee bleibt der Erfolg aus
3.2
Marktauftritt: Ein gutes Produkt alleine schafft noch keinen zufriedenen Kunden
3.3
Internationalisierung: Nur auf den ersten Blick der einfachste Wachstumsweg
3.4
Optimierung: In der Wertschöpfungsstruktur schlummern Gewinnpotenziale
3.5
Neuausrichtung: Manchmal muss man sein Geschäftsmodell in Frage stellen …
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