Restrukturierung von Unternehmensanleihen - Fünf Jahre Reform des Schuldverschreibungsgesetzes

Anleihe-Emissionen sind für den Mittelstand attraktiv. Bei wirtschaftlicher Schieflage eines Emittenten jedoch gelten besondere Rahmenbedingungen bei der Unternehmensrestrukturierung. Die Studie "Restrukturierung von Unternehmensanleihen - Fünf Jahre Reform des Schuldverschreibungsgesetzes" von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) zeigt: Das vor 5 Jahren reformierte Schuldverschreibungsgesetz ist ein Meilenstein für die außergerichtliche Restrukturierung von Anleihen und hat die Sanierungschancen wesentlich verbessert - eine Insolvenz ist nicht mehr der "Königsweg".

Management Summary

Die Auswertung der Befragung zeigt grundsätzlich eine deutliche Tendenz auf: Die Sanierung von Anleihen ist komplexer und riskoreicher als bei anderen Krisenfällen und an das Sanierungsmanagement werden höhere Anforderungen gestellt. Das reformierte Schuldverschreibungsgesetz hat zu einer deutlichen Verbesserung der Sanierungschancen beigetragen und stellt einen Meilenstein für die außergerichtliche Restrukturierung von Anleihen da. Punktuell wird noch Verbesserungsbedarf bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen gesehen, um die Kalkulierbarkeit von Anleihen- Sanierungen weiter zu erhöhen.

Anleihen und Restrukturierung
Nach Meinung von rund 77 % der Befragten erhöhen Anleihen das Sanierungsrisiko signifikant, lediglich 17 % gehen von einer Neutralität aus. Anleihen besitzen eine hohe Bedeutung in der Sanierungspraxis – diese wird zukünftig noch weiter ansteigen, insbesondere aus dem Segment der Mittelstandsanleihen werden zusätzliche Sanierungsfälle erwartet.

Reform des Schuldverschreibungsgesetzes
Für über die Hälfte der Studienteilnehmer verbessert die Gesetzesnovelle die Sanierungschancen – die Auswirkungen auf den Anleihemarkt werden überwiegend neutral bewertet. Das reformierte SchVG berücksichtigt nach überwiegender Mehrheit der Befragten ausgewogen die Interessen von Anleihe-Gläubigern und -Schuldnern.

Instrumente des neuen Schuldverschreibungsgesetzes
Die durch die Gesetzesreform neu geschaffenen Sanierungsinstrumente für Anleihen haben eine hohe Relevanz in der Praxis. Dies gilt insbesondere für die Möglichkeiten zur Veränderung der Fälligkeit oder der Höhe der Stammforderungen sowie Veränderungen von Zinsfälligkeiten oder die Abänderung bzw. den Verzicht von Kündigungsrechten in den Anleihebedingungen. Darüber hinaus wird die Möglichkeit zur Bestellung eines gemeinsamen Vertreters als bedeutsam für die Sanierung angesehen.

Verbesserungsbedarf des reformierten Schuldverschreibungsgesetzes
Kritisch bewerten 77 % der Befragten insbesondere die Anfechtungsmöglichkeiten von Beschlüssen der Gläubigerversammlung und wünschen sich gesetzliche Beschränkungen zur besseren Kalkulierbarkeit der Sanierung. 72 % der Studienteilnehmer appellieren für eine Möglichkeit zur Bestellung eines sog. „starken“ Vertreters, welcher mit allen Rechten schon vor der Krise ausgestattet ist.

Gerichtliche oder außergerichtliche Sanierung von Anleihen
Für über die Hälfte der Befragten gibt es keine eindeutige Präferenz bei der Wahl des Sanierungsverfahrens, vielmehr hängt dies überwiegend von den individuellen Gegebenheiten ab. Lediglich 18 % bevorzugen grundsätzlich ein Insolvenzplanverfahren, z. B. wenn zur Beseitigung von Insolvenzantragsgründen kurzfristig ein Beitrag der Anleihe-Gläubiger erforderlich ist. Das Zusammenspiel von Schuldverschreibungs- und Insolvenzrecht wird kritisch gesehen. Insbesondere wegen der Qualifizierung der Vergütung des gemeinsamen Vertreters der Anleihe- Gläubiger als Masseverbindlichkeit im eröffneten Insolvenzverfahren, da dies eine Ungleichbehandlung mit anderen Gläubigergruppen aus Sicht der Studienteilnehmer darstellt.

Risikofaktoren der Anleihen-Sanierung
Für über 80 % der Studienteilnehmer erfordern erfolgreiche Anleihen-Sanierungen mehr Zeit als andere Krisenfälle. In diesem Zusammenhang wird die Erreichung des Beschluss- und des Anwesenheitsquorums als Risiko eingeschätzt. Die Zusammensetzung der Gläubigergruppen einer Anleihe wirkt sich auf das Sanierungsrisiko aus. Aufgrund der besseren Erreichbarkeit und einer einfacheren Willensbildung wird ein hoher Anteil institutioneller Investoren als förderlich für die Sanierungsaussichten erachtet.

Erfolgsfaktoren der Anleihen-Sanierung
Zentraler Erfolgsfaktor einer erfolgreichen Anleihe-Sanierung ist aus Sicht der Teilnehmer der Befragung mit rund 89 % insbesondere ein schlüssiges und plausibles Gesamtkonzept in Kombination mit einer offenen Kommunikation mit den Anleihegläubigern und der raschen Einbindung eines gemeinsamen Vertreters.

Krisenvorsorge in den Anleihe-Bedingungen
71 % der Befragten plädieren für die Festlegung eines vorab bestimmten gemeinsamen Vertreters, welcher schon in den Anleihe-Bedingungen, ohne notwendige Wahl durch die Gläubigerversammlung mit allen notwendigen Kompetenzen für eine Krisensituation ausgestattet ist. Darüber hinaus befürworten 66 % der Studienteilnehmer eine restriktive Handhabung von etwaigen Kündigungsmöglichkeiten für die Gläubiger in den Anleihebedingungen.
Inhaltsverzeichnis 
1
Einleitung

2
Zielsetzung und Struktur der Befragung

3
Ergebnisse der Befragung

4
Ausblick und Empfehlungen
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