Welche kaufmännische Basismethodik schafft die notwendige Transparenz, um Handlungsspielräume in den einzelnen Krisenstadien realistisch zu bewerten? Wann und unter welchen Voraussetzungen ist eine Eigenverwaltung gegenüber einer Regelverwaltung die geeignete Option und welche strategischen Werkzeuge können den Sanierungserfolg nachhaltig unterstützen? Im Executive Dialog von Wieselhuber & Partner in Kooperation mit Schultze & Braun diskutierten die Referenten, warum Transparenz, frühzeitige Steuerung und rechtzeitig eingeleitete Restrukturierungsmaßnahmen entscheidende Voraussetzungen sind, um auch in kritischen Situationen unternehmerischen Handlungsspielraum zu sichern und zurückzugewinnen.
Johannes Zubrod, Mitglied der Geschäftsleitung bei W&P, stellte Transparenz als zentrale Voraussetzung für unternehmerische Handlungsfähigkeit in den Mittelpunkt. „Handlungsspielraum kann als Sauerstoff des unternehmerischen Handelns verstanden werden“, so Zubrod. Angesichts steigender Dynamik und immer kürzerer Reaktionszeiten müsse Transparenz wirtschaftliche Auswirkungen frühzeitig sichtbar machen, Entscheidungen vorbereiten und wirksame Maßnahmen ermöglichen. Entscheidend sei dabei nicht die Menge der verfügbaren Informationen, sondern die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft abzuleiten und so die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Fehlende Klarheit über die tatsächliche wirtschaftliche Lage führt in Restrukturierungs- und Sanierungssituationen häufig dazu, dass bei der Priorisierung wichtiger Maßnahmen wertvolle Zeit und damit Handlungsspielraum verloren gehen“, betonte auch Moritz Polk, Senior Manager bei W&P. Die Folge: Das Vertrauen von Finanzierern, Gesellschaftern und weiteren Stakeholdern wird nachhaltig belastet. Grundlage für eine belastbare Steuerung seien deshalb ein professionelles Liquiditäts-, Finanz- und Szenariomanagement, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen auf eine verlässliche Basis zu stellen.
Diese betriebswirtschaftliche Transparenz bildet zugleich die Grundlage für weitreichende Sanierungsentscheidungen. Michael Böhner und Alexander von Saenger, Rechtsanwälte bei Schultze & Braun, beleuchteten die Unterschiede zwischen Regelinsolvenz und Eigenverwaltung. Die Verfahrenswahl entscheide maßgeblich darüber, wer die Steuerung behält und welche Sanierungsinstrumente genutzt werden können. Voraussetzung für eine Eigenverwaltung seien belastbare Planungen und ein tragfähiges Sanierungskonzept. Besondere Relevanz haben in der Praxis auch die arbeitsrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten: Verkürzte Kündigungsfristen, begrenzte Sozialpläne und das Insolvenzgeld können Restrukturierungen deutlich erleichtern. Dennoch: Der Erfolg solcher Verfahren hängt ihrer Erfahrung nach wesentlich von einer transparenten Kommunikation mit Mitarbeitern, Betriebsräten und weiteren Stakeholdern ab.
„Trotz aller aktueller externer Unwägbarkeiten: Die häufigsten Krisenursachen liegen weiterhin in Managementfehlern, Nachfragerückgängen oder überholten Geschäftsmodellen – und sie sind durch die Unternehmen selbst beeinflussbar“, so Daniel Emmrich, Partner Restrukturierung & Sanierung bei W&P. Gemeinsam mit Dr. Ludwig Weber, Rechtsanwalt und Partner bei Schultze & Braun, verdeutlichte er dies anhand der Restrukturierung eines Energieversorgers. Voraussetzung für eine tragfähige Sanierungslösung war demnach neben Transparenz die konsequente Prüfung aller Handlungsoptionen und die Bereitschaft, auch komplexe Stakeholder-Konstellationen offen zu adressieren. Die enge Verzahnung betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Maßnahmen war ebenfalls entscheidend.
In der abschließenden Werkstattdiskussion, moderiert von W&P-Partner Volker Riedel, rückten die praktischen Herausforderungen von Restrukturierungen in den Fokus. Besonders intensiv wurden die unterschiedlichen Interessenlagen von Gesellschaftern, Geschäftsführern, Finanzierern und Mitarbeitern in Krisensituationen diskutiert. Auch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Eigenverwaltung sowie die Bedeutung arbeitsrechtlicher Instrumente für die Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen wurden anhand konkreter Praxiserfahrungen vertieft. Zugleich wurde deutlich: Restrukturierungs- und Insolvenzverfahren sollten nicht primär als Zeichen des Scheiterns verstanden werden, sondern als Instrumente, um notwendige Veränderungen strukturiert umzusetzen, Handlungsspielräume zurückzugewinnen und Unternehmenswerte zu erhalten.