Restrukturierungsberater, Gläubiger, Insolvenzverwalter und Gerichte haben in letzter Zeit einen pragmatischeren, zuweilen härteren Blick auf Fortführungschancen und deren Wertpotenziale entwickelt.
Als Alternative wird zunehmend eine geordnete Ausproduktion als legitime und vielfach wertmaximierende Lösung diskutiert. Im Zuge dieser Diskussionen bekommt auch die Vergleichsrechnung sowohl im StaRUG als auch in der Insolvenz eine zunehmende Bedeutung. In der Beratungspraxis zeigt sich seit einigen Jahren ein vermehrt kritischer Blick aller Verfahrensbeteiligten auf die Plausibilität dieser Vergleichsrechnungen.
Wo früher das vermeintlich Worst-Case-haltige Zerschlagungsszenario als Vergleichsmaßstab in den darstellenden Teil eines Plans gesetzt wurde, fragen Gläubiger und Gerichte heute differenzierter: Was wäre tatsächlich der wahrscheinlichste Geschehensablauf ohne den Plan? Ist dies wirklich die unmittelbare Zerschlagung, oder ist es nicht vielmehr eine über Monate oder gar wenige Jahre gestreckte Ausproduktion mit anschließender Liquidation, die für die Gläubiger eine oftmals deutlich höhere Erlösperspektive bietet?
Matthias Müller, Partner, und Christian Dresen, Senior Manager bei Dr. Wieselhuber & Partner, in der aktuellen Ausgabe des INDat Report.