Wenn klassische Restrukturierungsinstrumente an Grenzen stoßen, rückt die Kapitalstruktur selbst in den Mittelpunkt der Lösungsfindung. Der Executive Dialog von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) in Kooperation mit GRUB BRUGGER stellte die Frage, welche Rolle Treuhandmodelle und Shareholding as a Service (ShaaS) künftig spielen können – insbesondere in Konstellationen, in denen das StaRUG keine ausreichende Antwort mehr bietet.
„Wir sehen in den letzten zwölf Monaten viele Situationen, in denen rund um das Thema Kapitalstruktur Lösungen gefunden werden müssen“, so einleitend Volker Riedel, Managing Partner bei W&P. Er verwies auf eine wachsende Zahl an Fällen, in denen Gesellschafterstrukturen und Finanzierungsfragen zum eigentlichen Kern der Restrukturierung werden.
Dr. Lukas Herbert und Dr. Richard Scholz, beide GRUB BRUGGER, fokussierten insbesondere die zunehmende Relevanz von Treuhandstrukturen in angespannten Finanzierungssituationen, die Ausgestaltung von Kooperationsvereinbarungen zwischen Gesellschaftern und Finanzierern sowie typische Auslöser für den Übergang in eine Vollrechtstreuhand. Zudem wurde ShaaS als vergleichsweise junges Instrument eingeordnet, das insbesondere bei komplexen Gesellschafterstrukturen oder zur Entkonsolidierung von Beteiligungen an Bedeutung gewinnt. Konkrete Fallbeispiele machten deutlich: Die Wahl des geeigneten Instruments hängt maßgeblich von der Ausgangssituation, der Interessenlage der Beteiligten sowie dem Fortschritt der Krise ab.
Maximilian Schäfer, Senior Manager bei W&P, erläuterte, dass Fairness Opinions vor allem Transparenz über Preis- und Prozessgerechtigkeit schaffen, jedoch keine eigenständige Bewertung oder Entscheidungsgrundlage ersetzen und keine alternativen Handlungsoptionen beleuchten, wie es die Vergleichsrechnung bzw. das Option Review macht. Zudem beleuchtete er die Transaktionsform des Carve-Outs: „Carve-outs werden als Handlungsoption häufig unterschätzt und teilweise leider zu spät in Betracht gezogen. Frühzeitig angewendet bieten diese aber interessante Optionen bei der Sanierung und Restrukturierung von Unternehmen, sowie bei der Fokussierung auf das Kerngeschäfts bzw. identifizierter Zukunftsfelder“. Auch in der Insolvenz biete der Carve-Out eine Option.
Kai Kramer, Senior Manager bei W&P, stellte die betriebswirtschaftliche Perspektive in den Vordergrund und verdeutlichte, dass Carve-outs je nach Finanzierungssituation sowohl strategisch als auch als Voraussetzung für eine erfolgreiche Restrukturierung relevant sein können. In bestimmten Fällen müssten dabei sogar negative Kaufpreise in Kauf genommen werden, um Verlustträger aus dem Unternehmen herauszulösen. „Ziel des Option Reviews, der Vergleichsrechnung ist es, eine objektivierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen, die nicht nur für Gesellschafter, sondern auch für Banken, Finanzierer und Mitarbeiter tragfähig ist.“
Die Werkstattdiskussion verdeutlichte: Steigende Unsicherheiten, differenzierte Interessenlagen der Stakeholder und ein spürbar anspruchsvolleres M&A-Umfeld erhöhen den Druck auf tragfähige Strukturentscheidungen. Standardlösungen gibt es in dieser Gemengelage nicht – vielmehr erfordert jede Konstellation eine sorgfältige Abwägung von Instrumenten, Zeitfaktoren und Umsetzbarkeit. Während StaRUG heute als etabliertes Restrukturierungsverfahren gilt, wird ShaaS bislang nur vereinzelt in der Praxis eingesetzt – allerdings mit zunehmender Relevanz in einem anhaltend anspruchsvollen Marktumfeld und insbesondere bei komplexen Gesellschafter- und Strukturthemen, in denen klassische Verfahren an ihre Grenzen stoßen.