München, 25.03.2026

Die Bau- und Bauzulieferindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel. Wie Innovation gezielt als strategischer Resilienz- und Wachstumstreiber genutzt und systematisch in Unternehmen der Bau- und Bauzulieferindustrie verankert werden kann, war Frage des digitalen Executive Dialogs „Resilienz durch Innovation als einzig wahre Wachstumsquelle – Wachstum im Bau durch Innovation, aber mit System!“ von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P).

Dr. Stephan Hundertmark, Partner bei W&P, stellte einleitend die Leistungsfähigkeit klassischer Bauprojekte grundsätzlich infrage: „Wie viele Bauprojekte kennen Sie, die in Time und im Budget abgeschlossen wurden, die von Anfang an die geforderte Qualität geliefert haben und ohne großes Nachtragsmanagement ausgekommen sind?“ Verzögerungen, Schnittstellenprobleme und nachträgliche Mängelbeseitigungen seien in der Baupraxis nach wie vor eher die Regel als die Ausnahme. In anderen Industrien hingegen hätten sich Prinzipien wie „First Time Right“ über Jahre hinweg durch konsequente Prozess-, Technologie- und Geschäftsmodellinnovationen etabliert. Auch die Bauindustrie stehe vor der Aufgabe, ihre jahrhundertealte Tradition weiterzuentwickeln und Innovation nicht punktuell, sondern strukturell zu verankern. Innovation sei dabei kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung, um Resilienz aufzubauen und nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.

Oliver Markschläger, Leiter Bau- und Bauzulieferindustrie bei W&P, ordnete den Innovationsstand der Branche ein. Ein differenzierter Blick auf Bauprozesse der vergangenen Jahrzehnte macht deutlich: Die Bauindustrie hat durch historisch gewachsene Strukturen und Prozesse sowie Überregulation ihre Innovationsfähigkeit geschwächt. Deshalb müsse neben Innovation auch Exnovation berücksichtigt werden – die gezielte Abschaffung nicht mehr wirksamer Prozesse, Produkte oder Technologien. Gerade vor dem Hintergrund der hohen technologischen Dynamik der werde dieser Schritt zur zentralen Voraussetzung für wirksame Innovation. Dass sich Innovationen bislang dennoch nicht flächendeckend durchsetzen und häufig im Pilotstadium verharren, liege auch an den strukturellen Rahmenbedingungen der Branche: dem Einzel-Projektcharakter, fragmentierten Wertschöpfungsketten, Haftungsdilemmata, Fachkräftemangel sowie geringen Margen und Kapitalrestriktionen. Markschläger betont deshalb die besondere Rolle der Unternehmensführung: „Innovation ist – gerade in der Bauindustrie – Chefsache. Sie erfordert eine systematische Steuerung, die dem Team den nötigen Freiraum lässt und gleichzeitig durch klare Zielvorgaben den Rahmen steckt.“

In der Praxis scheiterten Innovationsprojekte häufig an unklaren Priorisierungen, fehlender Durchgriffskraft im Projektmanagement und einer Überlastung der Organisation durch zu viele parallel laufende Vorhaben. Entscheidend seien daher laut Simon Moser, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Innovation & New Business bei W&P, eine klare Governance, ein starkes Projekt- und Portfoliomanagement sowie transparente Führungssysteme mit messbaren Zielvorgaben. „Innovation scheitert nicht an Ideen, sondern an fehlender Priorisierung und Steuerung. Wenn alles gleichzeitig gestartet wird, kommt am Ende nichts wirksam zum Abschluss. Es braucht klare Verantwortlichkeiten, die Möglichkeit, Projekte auch bewusst zu stoppen, und ein Projektmanagement, das Ressourcen verbindlich steuert und Zielerreichung messbar macht“, so Moser. Nur so lasse sich Innovation aus dem Tagesgeschäft herauslösen, die Time-to-Market verkürzen und nachhaltige Wirkung erzielen. Ein konkretes Projektbeispiel zeigte: Innovation am Bau erst entfaltet sich erst dann wirksam, wenn Gebäude nicht mehr als einmalige Projekte, sondern als systematisch entwickelte Produkte mit klaren Standards, Varianten und Prozessen verstanden werden.


Ein abschließender „Blick in die Glaskugel“ der Referenten zeigte: Innovation und Industrialisierung im Bau dürften in den kommenden Jahren eine spürbare Beschleunigung erfahren. Getrieben durch steigenden Investitionsbedarf in Infrastruktur und Verteidigung, zunehmenden Kostendruck sowie den wachsenden Reifegrad industrieller Ansätze wird sich insbesondere bei Generalunternehmern und integrierten Wertschöpfungsmodellen die Produkt  und Systemlogik weiter durchsetzen. Entscheidend sind dabei weniger einzelne Leuchtturmprojekte als vielmehr die konsequente Etablierung von Prozessen, Partnerschaften und Führungsstrukturen, die Innovation dauerhaft in die operative Umsetzung überführen.

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