Kommentar von Jürgen-Michael Gottinger, Mitglied der Geschäftsleitung bei Dr. Wieselhuber & Partner
Deutsche Familienunternehmen haben traditionell ein hohes Vertrauen in ihre leitenden Manager. Die W&P Studie „Strategisches Management in Familienunternehmen“ zeigt: In einer Stichprobe von 116 Familienunternehmen mit rund 500 Mio. € Umsatz sind in 42 % der Fälle ausschließlich familienfremde Manager in der Geschäftsführung tätig. Der Vergleich mit anderen Untersuchungen zeigt zudem: Der Anteil familiengeführter Positionen sinkt mit zunehmender Unternehmensgröße.
Vor diesem Hintergrund wird es zunehmend wichtiger, dass die Gesellschafter gut organisiert sind und in strategische Entscheidungen eingebunden werden. In vielen Unternehmen entsteht sonst das klassische Principal-Agent-Problem: Kapitalseite und Management ziehen nicht an einem Strang. Zentrale Erkenntnis der W&P-Studie:
Abb. 1.: Governance-Struktur deutscher Familienunternehmen
Die Abbildung zeigt die bemerkenswerte Rolle der Beiräte: 40 % der Unternehmen verfügen über einen Beirat, der die Strategieentwicklung begleitet. 42 % verfügen über einen Aufsichtsrat, in dem die Gesellschafter vertreten sind – auch dies ein Befund, der stark mit der Unternehmensgröße korreliert. Eine schwache strategische Governance hat zahlreiche Folgen, die immer zulasten der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gehen, u.a.:
Diese Konsequenzen zeigen, wie entscheidend es ist, funktionierende Kontrollgremien zu schaffen. Vor allem Aufsichtsräte, in denen Gesellschafter aktiv mitwirken und die mit klaren Haftungsregeln verbunden sind, stärken die Mitwirkung der Eigentümer und sorgen dafür, dass das Management transparenter berichtet und stärker in die Verantwortung genommen wird. Damit diese Governance-Wirkung jedoch nicht auf der reinen Berichtsebene stehen bleibt, müssen strategische Entscheidungen systematisch strukturiert, gesteuert und überprüfbar gemacht werden. Denn strategische Maßnahmen wirken weit über das Tagesgeschäft hinaus und müssen entsprechend sauber abgebildet werden. Daraus ergeben sich zentrale Anforderungen an die strategische Steuerung:
Fazit: Wenn Familienunternehmen ihre langfristige Handlungsfähigkeit sichern wollen, müssen sie die strategische Rolle der Gesellschafter konsequent stärken. Es reicht nicht mehr, Entscheidungen abzunicken oder auf gesetzliche Mindestformate zu vertrauen. Nur eine aktive, informierte und durchsetzungsfähige Eigentümerseite verhindert, dass das Unternehmen in eine Richtung gesteuert wird, die weder kontrolliert noch gewollt ist.
Zur Studie "Strategisches Management in Familienunternehmen" .