W&P Kommentar
München, 22.10.2019

Challenge accepted! Die Kunststoffindustrie gibt sich nicht geschlagen

Ein Kommentar von Dr. Stephan Hundertmark, Leiter Chemie/Kunststoffe bei Dr. Wieselhuber & Partner
Dr. Stephan Hundertmark
Mitglied der Geschäftsleitung 

Keine Woche ohne kritische Meldungen zu Plastikmüll und bösem Kunststoff. Gerade deshalb setzt die Kunststoffindustrie einen selbstbewussten Kontrapunkt auf der Weltleitmesse der Branche „K“ in Düsseldorf. Die Europäischen und allen voran die deutschen Unternehmen stellen sich dem zu Recht angeprangerten unverantwortlichen Umgang mit Kunststoffabfällen und Reststoffen. Sie setzen auf praktische Lösungen für die Kreislaufwirtschaft.

Ja, richtig, das Gros der Stoffströme in den mengenmäßig dominanten KS-Arten PE, PP und PVC dreht sich noch immer nicht im Kreis, sondern hat einen Start- und Endpunkt. Aber mittlerweile stehen ab halbwegs nachvollziehbaren und berechenbaren Wertstoffquellen alle Bausteine für den breiten Rec-Einsatz in der Industrie zur Verfügung. So wird eine Halle der K-Messe mittlerweile von Maschinen- und Anlagenhersteller für die Aufbereitung von KS-Abfällen gefüllt, die ein breites Spektrum an Technologien für die Zerkleinerung, Sortierung und Regranulierung hochwertiger KS-Wertstoffe bieten. Gleiches gilt für Additive, die speziell für Rec-Material die Einsatz- und Verarbeitungseigenschaften verbessern und Grundlage einer wirtschaftlichen Verarbeitung sind. Und zuletzt sind Mehrkomponenten-Verfahren in der Maschinen- und Werkzeugtechnologie schon lange ein alter Hut.

Fazit? In diesem Fall sind mittlerweile schlicht Unternehmertum und innovative Geschäftsmodelle gefordert, um die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen auch in Volumenanwendungen zu bedienen.

Digitalisierung, war da noch etwas?

Naja, vielleicht ist es eine Frage der Priorisierung, vielleicht dem Konservatismus einer Investitionsgüterindustrie geschuldet: Beim zweiten großen Zukunftsthema der Branche, der Digitalisierung und Industrie 4.0 fehlt noch immer die Killer-Application. Hier dominiert eher die Politik der kleinen Schritte. Die Verfügbarkeit von Produktions- und Maschinendaten ist bei nahezu allen Verarbeitungsmaschinen egal welchen Herstellers gegeben. Auch setzt sich die Vernetzung von Verarbeitern und Maschinenherstellern durch, z.B. für Wartungs-Services. Der nächste Schritt aber, nämlich aus Maschinen- und Prozessdaten wertvolle Informationen über KI-Anwendungen zu generieren, fehlt noch. Hier gilt es den nächsten Schritt zu tun: Weitere Leuchttürme zur digitalen Vernetzung ebenso wie erste Anwendungsbereiche für KI-Lösungen erproben.

Nach der K-Messe ist also vor der K-Messe! Und so wird sich sicher auch in 2 Jahren eine starke und innovative Kunststoffindustrie präsentieren, die ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit liefert.
 
Ihr Ansprechpartner
Stephanie Meske
Public Relations
 
Telefon
+49 89 / 286 23 139

Fax
+49 89 / 286 23 290

 
Kontaktieren Sie uns
 
Themenrelevante Inhalte
Digitale Transformation, Industrie 4.0, Smart Home und Smart City, Big Data, Long Data...
mehr
Kommentar, 11.12.2019
Der hohe Turbulenz-Level, die steigende Volatilität der Märkte, die zunehmende Unsicherheit über den Einfluss exogener Faktoren, etc...
mehr
Was sind die angesagten Themen der Chemie/Kunststoff-Industrie im Jahr 2020? Auf einer Skala von 1-10: Welche Trends scheuchen...
mehr
Der größte Hemmschuh in Sachen KI derzeit: Der zögerliche Umgang mit der Technologie. Ihre Fähigkeiten und Limitationen sind...
mehr
Globale und branchenspezifisch disruptive Kräfte machen digitale Geschäftsmodelle unverzichtbar...
mehr
Es ist bereits seit einiger Zeit von einer bevorstehenden globalen Rezession, von abnehmenden Wachstumsraten und...
mehr
Kommentar, 30.07.2019
In Zeiten immer stärkerer Vernetzung von Funktionen, Geschäftsbereichen und Ländern rückt eine strukturierte Führungsorganisation als...
mehr
Zahlreiche Studien prognostizieren: Künstliche Intelligenz (KI) kann das Bruttoinlandsprodukts um über 400 Mrd. € bis zum Jahr...
mehr
Publikation
mehr




Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Webseite. Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.