München, 16.12.2010

Zivildienst ade: Wirtschaftliche Konsequenzen für Krankenhäuser

Die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 bedeutet auch das Aus für den Zivildienst. Deutsche Krankenhäuser stehen damit vor einer großen Herausforderung, denn: Von den rund 90.000 Zivildienststellen entfallen 15 Prozent auf Krankenhäuser. Diese müssen ab Mitte nächsten Jahres die Arbeitsleistung von rund 13.400 Zivildienstleistenden kompensieren und sollten sich dabei auf eine jährliche Mehrbelastung von rund 53,1 Mio. Euro einstellen. Voraussetzung: Mindestens die Hälfte der angepeilten Zielmarke von 35.000 Männern und Frauen melden sich zu einem von der Bundesregierung geplanten "freiwilligen Dienst" (BFD). Ohne diesen dürften sogar Mehrkosten von bis zu 74 Millionen Euro entstehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P).

Aufbauend auf Berechnungen zu wirtschaftlichen Konsequenzen des GKV-Finanzierungsgesetzes und Experteninterviews mit Personalverantwortlichen von 75 Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, gehen die Branchenexperten bei W&P davon aus: Erfolgt kein entsprechender Ausgleich für die Zivildienststellen durch Freiwillige oder zusätzliches Personal können entweder die heute von Zivildienstleistenden ausgeübten Tätigkeiten in den Kliniken nicht mehr durchgeführt oder müssten durch vorhandenes Personal verrichtet werden.

Dabei gehen 80 Prozent aller Befragten davon aus, dass die heutige Anzahl der Zivildienstleistenden nicht durch den BFD kompensiert werden kann. Mittelfristig wird vielmehr ein Szenario mit 17.500 Freiwilligen erwartet - der Hälfte der angestrebten Marke. Geht man hier davon aus, dass für zwei Zivildienstleistende ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis geschaffen werden müsste, würden knapp über 5.300 Teilzeitbeschäftigte benötigt, um die Tätigkeiten, die bisher von den Zivildienstleistenden geleistet wurden, weiterzuführen. Dies würde mit einer umgerechneten Mehrbelastung von 2,9 Euro pro Behandlungsfall und damit insgesamt mit 53,1 Mio Euro zu Buche schlagen.

Frank Schmitz, Leiter des Bereiches Health Care bei W&P und Initiator der Analyse, dazu:
"Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen: Einzelne Krankenhäuser werden die Kosten für weitere Mitarbeiter tragen, ihren derzeitigen Umfang an Service- und Unterstützungsleistungen aufrechterhalten und damit in Zukunft noch attraktiver für Patienten sein. Die weitaus größere Anzahl an Krankenhäusern wird es sich, in Anbetracht der bereits erforderlichen Effizienzsteigerung durch das GKV-FinG, nicht leisten können befristete Teilzeitstellen zu schaffen." Denn: Circa ein Drittel der Krankenhäuser aus der W&P Bilanz-Benchmark-Datenbank weisen ein Defizit aus und ein weiteres Drittel erwirtschaftet eine Umsatzrendite von weniger als 3 Prozent.

Diese Häuser werden vor die Entscheidung gestellt: Entweder weitere Effizienzsteigerungen leisten oder Service- und Unterstützungsleistungen einschränken.

Die detaillierten Ergebnisse der Analyse senden wir bei Interesse gerne zu.
 
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