München, 06.02.2013

Nachhaltigkeit in der Lebensmittelindustrie - Buzzword oder Realität?

Vom 3. bis zum 5. Februar 2013 traf sich der Club für moderne Markt-Methoden (MMM) unter dem Titel: "Wir tragen Verantwortung - Unternehmen Zukunft" in München. Wie jedes Jahr folgten über 700 Entscheider aus Industrie, Handel und Politik der Einladung des langjährigen Präsidenten Gerd Kaiser. In ihren Vorträgen sprachen sich alle Referenten für nachhaltiges Wirtschaften aus.

Die Referenten aus Militär, Sport, Philosophie, Politik und Wirtschaft fordern einhellig den Ausbruch aus diesem Diktat der Kurzfristigkeit. In einer Welt totaler Gegenwartsorientierung und sich selbst verstärken Informationskaskaden müssen der ständigen Optimierung durch die Egoismusökonomie vernünftige Grenzen gesetzt werden. Unternehmen müssen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden und eine Unternehmenskultur pflegen, bei der Menschen respektiert werden und Verantwortung in der Organisation dezentralisiert wird. Durch verantwortliches Handeln entsteht sowohl ein gesellschaftlicher Nutzen als auch ein unternehmerischer Mehrwert. Die Entscheider sind sich daher einig, dass das Verständnis von Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein in jedem zukunftsfähigen Geschäftsmodell verankert werden muss. Weil es nur so gelingen kann, den steigenden Bedarf der rasant anwachsenden Weltbevölkerung bei begrenzten Ressourcen zu befriedigen. Und weil nur so die Verbraucher wieder Vertrauen in die das Wirtschaftssystem insgesamt und in die Lebensmittelwirtschaft gewinnen werden. Soweit die Theorie.

Wie dies in der Praxis erfolgreich aussehen kann, wurde von den Topmanagern aus Handel und Industrie ausführlich dargelegt. Auf internationaler Ebene nimmt dabei Unilever eine Vorreiterrolle ein. Mit dem "Sustainable Living Plan" setzt sich Unilever das ehrgeizige Ziel, bis 2020 den Umsatz zu verdoppeln und dabei den "ökologischen Fußabdruck" zu halbieren. Dabei findet die gesamte Wertschöpfungskette Berücksichtigung: vom Anbau der Rohstoffe, über Logistik, Produktion und Verwendung durch den Konsumenten bis zur Entsorgung der Verpackung. Aber auch deutsche Unternehmen wie Budnikowski, Globus oder Dornseifer zeigen eindrucksvoll auf, dass verantwortungsvolles Unternehmertum und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind, sondern Hand in Hand gehen können.

Warum aber beschäftigen sich Unternehmen öffentlich mit Nachhaltigkeit und setzen sich sogar Ziele, an denen sie sich dann messen lassen zu müssen?

Konsumenten präferieren offensichtlich Produkte, die ethisch produziert werden und begrenzte Ressourcen schonen. Darüber hinaus achten sie zunehmend darauf, Produkte von Unternehmen zu kaufen, die der Gesellschaft und den Mitarbeitern gegenüber verantwortungsvoll handeln oder einen starken regionalen Bezug). Auch wenn derzeit nur ein kleiner Teil der Konsumenten bereit ist, dafür tiefer in die eigene Tasche zu greifen: Insbesondere Markenanbieter und Händler erkennen, dass sich mit Nachhaltigkeit oder Regionalität ein Differenzierungsmerkmal in einem Markt von funktional vergleichbaren Produkten ergibt. Damit wird zumindest ein Beitrag geleistet, um ein Preispremium zu verteidigen. Hinzu kommt: Durch ernsthaftes Arbeiten an nachhaltigen Lösungen entstehen relevante Innovationen und Märkte können wachsen. Ein Beispiel dafür ist ein Wasserreiniger für die Länder in denen reines Trinkwasser nicht verfügbar ist. Auch die Motivation der Mitarbeiter steigt, weil durch Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit ihre Arbeit einen höheren Sinn erfährt.

Trotzdem ist aber deutlich, dass ein zentrales Ziel von Nachhaltigkeit das Senken von Kosten ist. Durch kürzere Transportwege, weniger aufwändige Verpackungen und konzentriertere Produkte können Rohstoffe eingespart und die CO2 Emission reduziert werden. Aber auch durch engere Zusammenarbeit mit Rohstoffproduzenten kann es gelingen, insgesamt effizienter und damit ressourcenschonender zu Arbeiten.

Fazit: Nachhaltigkeit ist in der Lebensmittelindustrie angekommen - wenn auch nicht bei allen Unternehmen und nicht als Selbstzweck. Vielmehr erkennen mehr und mehr Unternehmen, dass sich verantwortungsvolles Unternehmertum auch in profitablem Wachstum niederschlagen kann. Dafür ist aber notwendig, Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell integral zu verankern. Eine klare Positionierung und ein umfassendes Vermarktungskonzept müssen dafür definiert und entsprechend die gesamte Wertschöpfungskette effizient und ressourcenschonend angepasst werden.
 
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