München, 25.11.2021

Handel: Trendometer 2022

Was sind die angesagten Themen des Handels im Jahr 2022? Auf einer Skala von 1-10: Welche Trends scheuchen die Player aus ihrer Komfortzone, welchen „Impact“ haben sie auf die Branche?
Handelsexperte Dr. Timo Renz von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) wagt eine Prognose – im Trendometer 2022.

Engpässe in Lieferkette und Warenversorgung - IMPACT 10
Nach Ifo-Umfragen leiden fast alle Handelsunternehmen unter Lieferproblemen und viele rechnen damit, dass diese Versorgungslücken noch über weitere zwölf Monate andauern. Was vor einem Jahr noch als punktuelles Problem mit kurzfristigem Charakter erschien, ist inzwischen zu einem merklichen Versorgungsproblem oder zumindest zu einem länger anhaltenden echten Kostenproblem angewachsen: Große Lücken in den Regalen des Lebensmittelhandels, mangelnde Verfügbarkeit vieler Sportartikel wie Fahrräder oder lange Wartezeiten auf Bestellware im Möbelhandel, sind an der Tagesordnung. Strategische Grundsatzfragen zu Sortimentsaufstellung, Versorgungssicherheit und Lieferanten der Zukunft müssen gestellt werden. Und der eine oder andere Händler wird das ggf. auch zum Anlass nehmen, weniger auf asiatische Containerware und mehr auf europäische Hersteller zu setzen. Aber auch operative Spielregeln zu Warenlogistik und Pricing müssen zwischen den beteiligten Parteien weiterentwickelt werden. Die Digitalisierung spielt auch weiter eine tragende Rolle, wenn es darum geht Prozesse unternehmensweit schlank und fit zu machen, um so den steigenden Material- und Logistikkosten entgegenzuwirken.

Strategien für das New Normal - IMPACT 9
In Zeiten des „Corona-Nebels“ war in ein „Fahren auf Sicht“ genauso notwendig wie die schnelle Reaktion auf veränderte Regelungen und Anforderungen. Doch wie geht es 2022 weiter? Gibt es neue Virusvarianten, die weitere Lockdowns notwendig machen? Wie wahrscheinlich ist eine Fortsetzung der pandemischen Lage mit hoher Volatilität und hoher regionaler Varianz der gesetzlichen Rahmenbedingungen? Oder ist endlich ein Ende der Pandemie und die Normalisierung des öffentlichen Lebens in Sicht? Die Antwort kennt noch niemand. Daher ist es ratsam, in Szenarien zu denken, auf verschiedene Situationen und Veränderungen im New Normal vorbereitet zu sein. Strategiearbeit erfordert in dieser Zeit vor allem Agilität und Denken in Optionen. Für den Handel heißt das: Verhaltens- und Bedürfnisanpassungen von Kunden – z.B. weniger Einkaufsstätten, weniger Frequenz und Bons, höhere Schnittbons, andere Einkaufszeiten, mehr Convenience-Sortiment, weniger Impulskäufe – müssen antizipiert werden. Das gilt auch für Versorgungsengpässe bei Lieferanten (von Verpackungen bis Rohstoffe); auch auf gesetzliche Vorgaben ist flexibel zu reagieren. Doch gleichzeitig zur hohen Flexibilitätserfordernis, existiert auch eine Sehnsucht nach langfristiger Zielbildung und Sicherheit: Selbstverständnis und Zukunftsstrategien stehen auf dem Prüfstand und die nachhaltige Ausrichtung bei den Händlern ebenfalls ganz oben auf der Top-Management-Agenda. Diesen Spagat gilt es zu meistern.


Konsequente Nachhaltigkeit im gesamten Geschäftsmodell - IMPACT 8
Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist durch die Pandemie zunächst in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund gerückt. Gleichzeitig haben die meisten Unternehmen den gesellschaftlichen und politischen Druck sowie die zunehmende Wichtigkeit für den Endverbraucher erkannt und zahlreiche Initiativen und konkrete Maßnahmen in diese Richtung gestartet. Für echte Nachhaltigkeit im Handel reichen einzelne Projekte jedoch nicht. Die Dimensionen „Planet“, „People“ und „Performance“ müssen mit Systematik angegangen werden. Umweltfaktoren (Planet) sind z.B. nachhaltige Praktiken in der Logistik und Lagerhaltung, Verringerung von Ressourcen im operativen Betrieb oder die Reduktion von Verpackungsabfällen. In der Dimension „People“ sind im Handel konkrete Konzepte für die eigenen Mitarbeiter - sowohl auf der Fläche als auch im Management - und in der gesamten Lieferkette auf soziale Standards zu achten. Wer nachhaltig am Markt vertreten zu sein will, braucht zudem ein robustes Geschäftsmodell, das nachhaltig gute Ergebnisse liefert, um auch in die Zukunft investieren zu können (Performance). Nur so sind Unternehmen auch krisenresistent.
 
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