München, 25.11.2021

Chemie/Kunststoff: Trendometer 2022

Was sind die angesagten Themen der Chemie/Kunststoff-Industrie im Jahr 2022?
Auf einer Skala von 1-10: Welche Trends scheuchen die Player aus ihrer Komfortzone? Welchen „Impact“ haben sie auf die Branche?

Branchenexperte Dr. Stephan Hundertmark von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) wagt eine Prognose – im Trendometer 2022. 

Hybrid Sales muss sein! IMPACT 10
Man ist geneigt, ungläubig zurück zu blicken und zu fragen, wie Vertrieb trotz Kontaktbeschränkungen, Absagen von Messen und nur mittels Telefon, Email und Videokonferenzen funktioniert hat. Mehr noch, wie kann es sein, dass viele Unternehmen in der Chemie-, und Kunststoffindustrie von einer Nachfragewelle überrollt wurden, die es nach alten Maßstäben nicht gegeben hätte? Ist 100% „digital“ und „remote“ also die Zukunft von Vertrieb und Marketing? Wohl eher nicht, da persönliche Kontakte und gewachsene Verbindungen weiterhin Grundlage einer guten Kundenbeziehung und einer konsequenten Kundenzentrierung bleiben. Die Aufgabe ist also ein hybrides Vertriebsmodell zu entwickeln, dass Effizienzvorteile des digitalen Vertriebs über gesparte Reisekosten und Messebudgets mit der optimalen Ressourcennutzung im Präsenzvertrieb kombiniert. Der Schlüssel dazu liegt im systemgestützten Customer Journey Management, das über Besuchsberichte, eine Adressverwaltung sowie Kontakt- und Kaufhistorie hinaus geht. Über die vollständige Abbildung von Marketing-Aktionen im Pre- und After-Sales, das jeweils relevante Buying Center und alle von Kontakt- und Entscheidungspunkte im Verkaufsprozess werden entscheidungsrelevante Daten verfügbar gemacht, die eine Ressourcensteuerung und Erfolgskontrolle ermöglichen. Und wem effiziente Vertriebsperformance als Ergebnis noch nicht reicht, der kann es als einen großen Schritt zur Digitalisierung des Unternehmens mit einem schnellen ROI ansehen.

Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, …was sonst? IMPACT 9
Richtigerweise hat das Wirtschaften ohne Rücksicht auf Verluste keine Zukunft mehr. Im Umkehrschluss ist die Orientierung an der Nachhaltigkeit des eigenen Tuns aber auch keine Gewähr für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. So ist es für Chemieunternehmen und Kunststoffverarbeiter bereits heute eine große Herausforderung „nur“ compliant zu bleiben, gegeben die vorhandenen regulatorischen Vorgaben und solche die aktuell in Diskussion sind. Wieso also nicht aus der Not eine Tugend machen und gleich konsequent mit einer Nachhaltigkeitsstrategie auf die Kreislaufwirtschaft setzen? In jedem Fall gibt es dafür ausreichend Raum für Kreativität und zur Differenzierung im Spielfeld, das Ansoff bereits in den frühen 1970ern beschrieben hat: Chancen aus dem Zusammenspiel von neuen und bestehenden Produkten und Märkten. Gerade die Kreislaufwirtschaft ist ein Paradebeispiel für die Substitution bestehender Produkte, die Verschiebung von Marktanteilen und Entstehung gänzlicher neuer Produkt-Markt-Kombinationen. Mal schauen, welche Erfolgsgeschichte in 2022 geschrieben werden.

Wellenreiten mit Corona oder Strategie 2030? IMPACT 8
Pandemieentwicklung, Störungen der Lieferkette, Preis-Rallyes bei Rohstoffen und Energie, Force Majeur-Ereignisse und plötzliche Hamsterkäufe von Kunden - was hat das Management in 2021 nicht alles auf Trapp gehalten? Entsprechend war und ist das Management in der Chemie- Kunststoff- und Bauzulieferindustrie mit Reagieren, dem Steuern auf Sicht und der Reduzierung Risiken beschäftig. Was nutzt da noch eine strategische Planung, die ohnehin in wenigen Monaten von der Realität überholt und abgelöst wird? Die Antwort: Viel! Für die grundlegenden Transformationen aus der Nachhaltigkeitswende und der konsequenten Digitalisierung aller Unternehmensbereiche sind übergeordnete Ziele und ein Orientierungsrahmen unabdingbar. Wie sonst sollen kurzfristige Entscheidungen getroffen und langfristige Investitionen auf den Weg gebracht werden, die eine dauerhaft überlegende Markt- und Wettbewerbsposition schaffen? Für Unternehmer bleibt Strategie also ein zentrales Instrument der Unternehmensführung, das längere Perspektiven, aktuell gerne 2030, in den Fokus rückt. Alles andere ist Aktionismus, der im besten Fall auch zu einer tragfähigen, robusten und zukunftsfähigen Positionierung führt. Im wahrscheinlichsten Fall aber zu einer Erosion der Marktstellung und einer mangelnden Vorbereitung auf künftige Krisen und Chancen.
 
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