Die Chemieindustrie durchläuft tiefgreifende strukturellen Veränderungen. Hohe Energie- und Rohstoffkosten, geopolitische Unsicherheiten sowie zunehmende regulatorische Anforderungen erhöhen den Handlungsdruck auf Unternehmen. Gleichzeitig verschieben sich Wachstum und Wertschöpfung in spezialisierte, innovationsgetriebene Geschäftsfelder. Vor diesem Hintergrund diskutierten die Teilnehmer des Executive Dialogs von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) und der FutureValue Group AG, wie sich Portfolios zukunftsorientiert gestalten lassen und welche Bedeutung ein integriertes Risikomanagement für fundierte strategische Entscheidungen hat.
Dr. Stephan Hundertmark, Partner bei Dr. Wieselhuber & Partner GmbH, zeigte, warum Portfoliomanagement angesichts von Commoditisierung, internationalen Überkapazitäten und strukturellen Standortnachteilen zunehmend zur Kernaufgabe des Top-Managements wird. Entscheidend sei die systematische Steuerung des Geschäftsfeldportfolios entlang der drei strategischen Stoßrichtungen Gestalten, Entflechten und Filetieren: der gezielte Ausbau zukunftsfähiger Geschäftsfelder, die organisatorische und wirtschaftliche Separierung einzelner Aktivitäten zur Verbesserung von Transparenz und Steuerbarkeit sowie der konsequente Rückzug aus nicht mehr wettbewerbsfähigen Bereichen. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele verdeutlichte Hundertmark, wie Unternehmen Kapital gezielt auf margen- und wachstumsstarke Segmente ausrichten und Portfolioentscheidungen mit einer fundierten Bewertung von Chancen und Risiken verknüpfen können. „Gerade bei weitreichenden unternehmerischen Entscheidungen und Gestaltungsüberlegungen sind die Anforderungen an ein angemessenes Risikomanagement für das Top-Management von höchster Bedeutung.“
Prof. Dr. Werner Gleißner, Vorstand der FutureValue Group AG und Honorarprofessor an der TU Dresden, zeigte, dass entscheidungsorientiertes Risikomanagement eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen ist. Angesichts wachsender wirtschaftlicher, geopolitischer und technologischer Unsicherheiten müssten Risiken frühzeitig identifiziert, quantifiziert und in strategische Entscheidungen einbezogen werden. Mit Blick auf die Anforderungen des StaRUG erläuterte er, wie strukturierte Risikoanalysen helfen, bestandsgefährdende Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und daraus sowohl kurzfristige Maßnahmen als auch strategische Anpassungen von Geschäftsmodell, Strategie oder Portfolio abzuleiten. Die dafür erforderlichen Methoden seien heute verfügbar – entscheidend sei, Risiken frühzeitig zu adressieren und bestehende Handlungsspielräume konsequent zu nutzen.
In der anschließenden Diskussion standen die organisatorischen Konsequenzen strategischer Portfolioentscheidungen im Mittelpunkt, darunter die Bedeutung von Target Operating Models bei Wachstum, Restrukturierung und der Separierung von Geschäftsbereichen sowie die Rolle organisatorischer Strukturen für eine erfolgreiche Umsetzung. Auch die aktuelle Situation von Finanzinvestoren in der Chemieindustrie diskutiert – von der Bewertung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle über Unternehmenswerte und Transaktionspreise bis hin zu langfristigen Entwicklungsperspektiven. Fazit: Zukunftsfähiges Portfoliomanagement erfordert eine konsequente Verbindung von Strategie und Risikomanagement. Wer Chancen und Risiken frühzeitig bewertet und daraus fundierte Portfolioentscheidungen ableitet, schafft die Grundlage für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Unternehmenserfolg.