Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Carve-outs nicht an mangelnder Transparenz, fehlerhaften Annahmen oder operativen Schnittstellen scheitern? Und welche typischen Fallstricke zeigen sich insbesondere in der finanziellen Abbildung und operativen Umsetzung? Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt des Executive Dialogs von Wieselhuber & Partner in Kooperation mit HEUKING.
„Carve-outs werden häufig unterschätzt – insbesondere die Anforderungen an Transparenz und Umsetzbarkeit“, so einleitend Volker Riedel, Managing Partner bei W&P.
W&P Partner Matthias Müller verdeutlichte die zentrale Bedeutung der Segmentrechnung als Grundlage für Bewertung, Transaktion und Sanierungsfähigkeit. Sie schafft Transparenz über Ertrags- und Verlustquellen und bildet die Basis für wesentliche finanzielle Entscheidungen von Unternehmen, Banken und Investoren. In der Praxis seien inkonsistente Abbildungen und fehlerhafte Allokationen jedoch keine Seltenheit: „Kaufpreise, Stand-alone-Kosten und die Sanierungsfähigkeit werden über die Segmentrechnung bestimmt. Hier ist absolute Genauigkeit angesagt! Falsche Ansätze führen schnell zu erheblichen Fehlbewertungen.“
Jens Ekopf, Managing Partner bei W&P, ergänzte die operative Perspektive und ordnete Carve-outs als hochkomplexe Transformationsprozesse ein: „Carve-outs und auch Post-Merger-Integrationen sind die Königsdisziplin klassischer Projekte, weil extrem viele Themen in einer hohen Interdisziplinarität eine Rolle spielen.“ Entscheidend seien dabei die saubere Trennung von Prozessen, Systemen und Organisation sowie die Sicherstellung der operativen Handlungsfähigkeit beider Einheiten.
Die rechtlichen Implikationen eines Carve-outs beleuchtete Georg Streit, Partner bei HEUKING. Im Fokus standen insbesondere die Wahl des geeigneten Durchführungswegs wie etwa Asset Deal, Share Deal oder Umwandlungslösungen, sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf Haftung, Vertragsübertragungen und organisatorische Entflechtung. Entscheidend sei eine klare Definition des Transaktionsumfangs sowie die saubere Zuordnung von Vermögensgegenständen, Verträgen und Verpflichtungen. Während gesellschaftsrechtliche Strukturen Übertragungen erleichtern, gehen sie häufig mit Nachhaftungsrisiken einher; bei Asset Deals stehen dagegen Zustimmungserfordernisse im Vordergrund. Gleichzeitig zeigte sich, dass Carve-outs in der Praxis häufig an kritischen Schnittstellen wie Finanzierungsstrukturen, IT-Systemen oder bestehenden vertraglichen Verflechtungen scheitern. Eine strukturierte Vorbereitung, belastbare Vertragsgestaltung und die frühzeitige Klärung wesentlicher Abhängigkeiten seien daher zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung.
In der abschließenden Werkstattdiskussion rückten die unterschiedlichen Ausgangssituationen und Zielsetzungen von Carve-outs in den Fokus. Deutlich wurde: Die Entscheidung für die Abgabe oder gezielte Veräußerung von Geschäftsbereichen ist maßgeblich von strategischen Zielbildern, Refinanzierungsanforderungen und der jeweiligen Krisensituation abhängig. Gleichzeitig treffen dabei die Interessen von Unternehmen, Banken und Investoren aufeinander, die den Transaktionsprozess wesentlich prägen. Carve-outs gewinnen damit insbesondere im Restrukturierungsumfeld weiter an Bedeutung – nicht zuletzt als Instrument zur Entschuldung und zur Fokussierung auf nachhaltig tragfähige Geschäftsbereiche.