München, 14.04.2026

Boards, Management und Gläubigergremien stehen in Sanierungs- und Insolvenzsituationen zunehmend unter Entscheidungsdruck. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und rechtssichere Beschlussfassung. Welche Macht- und Entscheidungsmechanismen dabei im Gläubigerausschuss wirken, diskutierte der digitale W&P Executive Dialog „Gläubigerausschuss Insights – Wer entscheidet was? Und warum? Macht, Mehrheiten und Interessen im Gläubigerausschuss“ gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Justiz, Banken, Kreditversicherung und Gläubigerinstitutionen.

Der Gläubigerausschuss ist ein zentrales, aber häufig missverstandenes Gremium, in dem wirtschaftliche Interessen, rechtliche Vorgaben und Machtfragen zusammenlaufen“, so einleitend Volker Riedel. Ziel der Diskussion sei es, Entscheidungsprozesse aus der Praxis sichtbar zu machen und die Rollen der Beteiligten einzuordnen.

Im einleitenden Impulsvortrag beleuchtete Matthias Müller, W&P Partner Sanierung und Insolvenz, den Gläubigerausschuss als zentrales Macht- und Entscheidungsorgan im Insolvenzverfahren. Ausgehend vom Grundsatz der Gläubigerhoheit erläuterte er, wie Einfluss insbesondere durch frühe Einbindung, Sicherheitenpositionen und die Zusammensetzung des Ausschusses entsteht. Zugleich machte er deutlich, dass Interessenkonflikte strukturell angelegt sind und aktiv moderiert werden müssen. Grundlage tragfähiger und haftungssicherer Beschlüsse sei Transparenz über Zahlen und deren Auswirkungen: „Ohne valide Zahlen sind haftungssichere Beschlüsse kaum möglich“, so Müller.

In der anschließenden Diskussion mit Tobias Daniels, Gruppenleiter Restrukturierung beim Pensions-Sicherungs-Verein, Christoph Krings, Leiter Kreditmanagement der Meine Volksbank Raiffeisen eG, Rolf Breuer, Senior Special Risk Manager bei Atradius, sowie Birte Paulmann, Richterin am Amtsgericht München stand der Zeitpunkt und die Qualität der Gläubigerbeteiligung im Mittelpunkt. Deutlich wurde, dass zentrale Weichenstellungen häufig bereits im oder vor dem vorläufigen Verfahren erfolgen und eine verspätete Einbindung wesentlicher Gläubiger den tatsächlichen Einfluss auf den weiteren Verfahrensverlauf erheblich einschränkt. Auch die gesetzlich vorgesehene Beteiligung des Gläubigerausschusses bei der Auswahl von Verwaltern wird in der Praxis nicht immer in dem vorgesehenen Umfang genutzt. Eine frühzeitige und substanzielle Einbindung kann jedoch dazu beitragen, Entscheidungen breiter abzustützen und die Akzeptanz zentraler Beschlüsse nachhaltig zu erhöhen.

Darüber hinaus wurde die unterschiedliche Rolle der verschiedenen Gläubigergruppen herausgearbeitet. Informationsvorsprünge und Sicherheiten prägen die jeweiligen Einflussmöglichkeiten, zugleich verändern sich die Beteiligungsmodelle im Gläubigerausschuss. Während sich größere Institute zunehmend aus der aktiven Mitarbeit in Gläubigerausschüssen zurückziehen, übernehmen regionale Banken diese Rolle weiterhin. Aus Sicht der Kreditversicherer ist eine aktive Mitwirkung vor allem in Eigenverwaltungs- und Fortführungsszenarien von Bedeutung, da operative Weichenstellungen hier zu einem frühen Zeitpunkt beeinflusst werden können, was insbesondere in der Anfangsphase eines Verfahrens mit einem erheblichen Ressourceneinsatz verbunden ist.

Einblicke in die gerichtliche Praxis unterstrichen, dass ein ausgewogen und engagiert besetzter Gläubigerausschuss ein zentraler Faktor für einen geordneten und rechtssicheren Verfahrensverlauf ist. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Auswahl von Verwaltern und Sachwaltern, da wesentliche Entscheidungen häufig bereits im vorläufigen Verfahren getroffen werden. Vor allem Unabhängigkeit, Erfahrung, persönliche Eignung sowie die Passfähigkeit für das jeweilige Verfahren spielen eine entscheidende Rolle, wobei Vertrauen in die handelnden Personen vor allem in Eigenverwaltungsverfahren von zentraler Bedeutung ist.

Fazit des Executive Dialogs: Der Gläubigerausschuss kann seine Steuerungswirkung nur dann entfalten, wenn rechtliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Bewertung und praktische Entscheidungserfahrung frühzeitig zusammengeführt werden. Tragfähige Entscheidungen entstehen nicht isoliert, sondern als Ergebnis transparenter und gemeinsam verantworteter Prozesse.

 

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Gläubigerausschuss Insights: Macht, Mehrheiten und Interessen im Gläubigerausschuss

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