München, 31.03.2026

Kommentar von Oliver Markschläger, Leiter Bau-/Bauzulieferindustrie bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P)

Fragile Lieferketten, verschärfter Wettbewerb aus China, KI-Disruption: Die damit einhergehende Volatilität stellt insbesondere mittelständische Bauzulieferer vor enorme Herausforderungen. Die Tragfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle? Ungewiss. Der Verlass auf langfristige strategische Unternehmensausrichtung? Ebenso. Traditionelle Stärken wie Produktqualität, technische Kompetenz und effiziente Produktion sind mittlerweile Mindestanforderung und reichen nicht mehr aus, um im Markt zu gewinnen.

Gefragt ist ein Perspektivwechsel: Produkte sind nicht mehr isoliert zu denken, sondern als Teil eines integrierten Wertschöpfungssystems. Systemintegration, digitale Vernetzung, die Monetarisierung von Echtzeitdaten und Nachhaltigkeit als strategische Treiber rücken in den Mittelpunkt. Konsequent weitergedacht heißt das: Weg von Produktkategorien, hin zur "Jobs-to-be-done" Logik. Ein Bauunternehmer kauft keinen Ziegel oder eine Dämmplatte – er kauft die Absicherung seines Zeitplans und die Minimierung seines Haftungsrisikos.

Im Bau-Ökosystem wird damit die Besetzung der Kundenschnittstelle zum Erfolgsfaktor: früh am Kunden sein, die Planung aktiv beeinflussen, den gesamten Lebenszyklus des Kontakts managen und eine möglichst tiefe Integration in den Workflow des Kunden erreichen – um einen Wechsel zum Wettbewerb möglichst schwierig zu gestalten. Doch das dafür notwendige Anforderungsmanagement ist häufig noch zu schwach ausgeprägt. Zu häufig werden Kundenanforderungen aus der Vergangenheit oder vom eigenen Kompetenzprofil abgeleitet. Zu selten hingegen Anforderungen systematisch erhoben und in notwendige Schlüsse für das Produktportfolio übersetzt. Oder anders formuliert: Wie gut sind die tatsächlichen Anforderungen der Kunden bekannt – und wie viel davon basiert auf Annahmen? Werden vielmehr die Wünsche der Kunden indirekt aus dem eigenen Leistungsportfolio abgeleitet?

Sowohl anhaltente Volatilität als auch wandelnde Nachfrage - quantitativ wie qualitativ beeinflussen die strategische Ausrichtung grundlegend. In einer Welt akuter Polykrisen reicht es nicht mehr, resilient zu sein. Gefragt ist "Antifragilität": die Fähigkeit durch Stress und Unsicherheit besser zu werden.

Für Bauzulieferer bedeutet das konkret: Weg von der hocheffizienten, aber starren Just-in-Time Lieferketten, hin zur bewussten Redundanz, Modularität und Plattformen. Ein antifragiles Geschäftsmodell ist in der Lage, beim Wegbrechen des Wohnungsbaus innerhalb weniger Wochen Kapazitäten in andere Segmente wie den öffentlichen oder gewerblichen Bau zu verlagern – ohne dabei die Fixkosten zu treiben.

Die Gewinner von morgen planen nicht für das wahrscheinlichste Szenario. Sie bauen Prozesse, Systeme und Strukturen, die von der Volatilität des Marktes profitieren.

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Bauzulieferindustrie im Stresstest: Kundenverständnis und Antifragilität als neue strategische Realität?

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