Im Rahmen des digitalen W&P Executive Dialogs in Kooperation mit Flick Gocke Schaumburg stand die Frage im Mittelpunkt, welche steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten in der Krise tatsächlich tragen – und ob am Ende der Sanierung das Finanzamt über den Erfolg mitentscheidet.
W&P Steuerexperte Kai Kramer verdeutlichte anhand einer Fallstudie, wie Rangrücktritte und Forderungsverzichte in Sanierungskonzepten gezielt eingesetzt werden können und welche zentrale Rolle deren steuerliche Behandlung für die Tragfähigkeit der Maßnahmen spielt. Am Beispiel von Intercompany-Darlehen innerhalb eines Konzerns wurde deutlich: Die wirtschaftliche Werthaltigkeit von Forderungen ist die Grundlage für die Wahl des Instruments. Während Rangrücktritte das wirtschaftliche Eigenkapital stärken, ohne unmittelbare steuerliche Effekte auszulösen, führt ein Forderungsverzicht zwar zur bilanziellen Entschuldung, gleichzeitig jedoch zu Erträgen, deren steuerliche Behandlung den Sanierungserfolg maßgeblich beeinflussen kann. „Die Entscheidung über die Steuerfreiheit des Sanierungsertrags ist für das gesamte Konzept absolut entscheidend“, so Kramer.
Dr. Alexander Witfeld, Partner, Rechtsanwalt & Steuerberater, Flick Gocke Schaumburg, stellte die steuerliche Perspektive von Restrukturierungen in den Mittelpunkt und betonte die Bedeutung von Planungssicherheit. In manchen Fällen bietet sich eine frühzeitige Abstimmung mit der Finanzverwaltung – etwa über verbindliche Auskünfte – an, um unerwartete Liquiditätsbelastungen zu vermeiden. In anderen Fällen sei auch eine gutachterliche Stellungnahme und angemessene Dokumentation ausreichend. Er zeigte, dass es kein eigenständiges Sanierungssteuerrecht gibt und die relevanten Regelungen aus unterschiedlichen steuerlichen Vorschriften abgeleitet werden müssen. Entsprechend vielfältig ist der „steuerliche Werkzeugkasten“, der von Rangrücktritten und Forderungsverzichten über Step-up-Strukturen und befreiende Schuldübernahmen bis hin zu Lösungen wie Debt-Mezzanine-Swaps, Carve-Outs, einem „Hin- und Herzahlen“ oder Sanierungstreuhandmodellen reicht.
In der Werkstatt-Diskussion wurden praktische Herausforderungen weiter vertieft. Moderator und W&P Managing Partner Volker Riedel stellte die Verbindung zwischen steuerlicher Strukturierung und betriebswirtschaftlichem Sanierungskonzept in den Mittelpunkt. „Ohne Sanierungskonzept wird es schwierig sein, steuerfreie Sanierungsgewinne zu generieren“, so Riedel. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die zeitliche Dimension steuerlicher Abstimmungen einen kritischen Faktor darstellt und nur durch frühzeitige, strukturierte Vorbereitung sowie alternative Szenarien beherrschbar ist. „Früh dran sein, entsprechend gut vorbereiten und mitunter auch noch einen Plan B im Köcher haben“, so Kramer. Die Diskussion zeigte: Steuerliche Fragestellungen sind kein Randthema, sondern integraler Bestandteil jeder erfolgreichen Restrukturierung.