W&P Kommentar
München, 07.04.2016

Kulturbruch Digitalisierung?

Kommentar von Dr. Mathias Döbele, Leiter Maschinen- und Anlagenbau bei Dr. Wieselhuber & Partner
Dr.-Ing. Mathias Döbele
Leiter Maschinen- und Anlagenbau 

Deutschland soll zum modernsten Industriestandort der Welt werden, der "Digitalisierungsbefehl" der Bundesregierung lässt da keinen Zweifel. Doch der deutsche Mittelstand hat zum Teil so seine Not mit dem Thema Digitalisierung.

Denn die Digitalisierung rüttelt an etablierten Denkmustern, die fest im Selbstverständnis erfolgreicher Mittelständler verankert sind. Bisher ganz vorne mit dabei: Die Tendenz zur "Selbermacheritis" statt offener Kooperationen und Datenaustausch sowie das Vertrauen auf Bewährtem - und damit auf Lösungen, die auch in der Vergangenheit schon hohe Erfolgsgarantien in Aussicht stellten.

Doch genau diese Denkmuster werden im digitalen Zeitalter vielfach in eine Sackgasse führen. Im Zuge der Digitalisierung kommt es oft zu einer Anonymisierung von Geschäftsbeziehungen, da Angebot und Nachfrage verstärkt über die IT abgeglichen werden. Gleichzeitig werden mehr Wertschöpfungspartnerschaften eingegangen, die jedoch zunehmend flexibel ausgelegt sind. Stattdessen werden am back end des Geschäftsmodells längerfristige Technologiepartnerschaften zu Themen notwendig, die eine völlig ungewohnte und bis dato auch ungewollte Transparenz voraussetzen.

Bisher typisch für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau: Eine ständige Verbesserung seiner Produkte. Doch allein damit wird er den Kundennutzen nicht mehr ausschließlich steigern können. Disruptive Innovationen sind auf dem Vormarsch, die durch die Integration der Leistungen und Angebote von Marktteilnehmern in den Kundenprozesseinen viel höheren Nutzen bieten, als eine noch etwas bessere Maschine. Neue Player mit völlig neuen Geschäftsmodellen tauchen in diesem Umfeld auf, gegen die sich etablierte Unternehmen auf Grund ihrer Unternehmensstrukturen nur schwer behaupten können.

(Zwischen-)Fazit: Der Industriestandort Deutschland hat hervorragende Kompetenzen und strukturelle Voraussetzungen, um den technologischen Wandel voranzubringen. Der "Initialzünder" für den deutschen Mittelstand müssen jedoch veränderte Denkmuster sein, die zunächst in kleinen Nischen des Marktes "getestet" werden können, um sie dann sukzessive auszuweiten. Hierzu gehört sicher auch eine gewisse "Try & Error-Mentalität" in der auch weniger Erfolgreiches wieder beendet werden kann, ohne dass dies mit einem persönlichen Scheitern gleichgesetzt wird. Da die Digitalisierung unterschiedlichste Disziplinen miteinander verbindet und somit Branchengrenzen auflöst, bekommen eine "Kultur der Offenheit" und der "Blick über den Tellerrand" einen neuen Stellenwert. Vielen Playern steht damit eines bevor: Der "Kulturbruch Digitalisierung".
 
Ihr Ansprechpartner
Stephanie Meske
Public Relations
 
Telefon
+49 89 / 286 23 139

Fax
+49 89 / 286 23 290

 
Kontaktieren Sie uns
 
Themenrelevante Inhalte
Die Digitalisierung als technologischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel trifft jedes...
mehr
Der Umgang mit Daten wird nicht einfacher: Die Quantität der Produktdaten steigt, aber steigt im...
mehr
Im Rahmen dieses von der Akademie 3 veranstalteten dreitägigen Kongresses steht auch die Dr...
mehr
Die „Strategie“ hat es nicht leicht. Dabei leistet sie gerade in Zeiten des Wandels zur nachhaltigen Steigerung...
mehr
Kommentar, 30.07.2019
In Zeiten immer stärkerer Vernetzung von Funktionen, Geschäftsbereichen und Ländern rückt eine strukturierte Führungsorganisation als...
mehr
Zahlreiche Studien prognostizieren: Künstliche Intelligenz (KI) kann das Bruttoinlandsprodukts um über 400 Mrd. € bis zum Jahr...
mehr
Mitteilung, 19.07.2019
mehr
Mitteilung, 17.06.2019
mehr
Die Verunsicherung der Kunden in Folge des Dieselskandals sowie die Umstellung auf den Abgas- und...
mehr
Beim Weltwirtschaftsforum 2018 wurde das bekannte 24/7-Prinzip um eine aktualisierte Variante ergänzt: 25/8. Ein Ausdruck für die...
mehr
Publikation
mehr