W&P Kommentar
München, 20.09.2013

Die Post in der Frischelogistik im Lebensmittelbereich: Neuer Schwung für Online-Food-Unternehmen?

Kommentar von Jürgen-Michael Gottinger, Mitglied der Geschäftsleitung bei Dr. Wieselhuber & Partner
Jürgen M. Gottinger
Mitglied der Geschäftsleitung 

Die Post wird zum Dienstleister für Food-Produkte. Kein Mindestbestellwert, eine Zustellgebühr von fünf Euro - damit soll endgültig das Zeitalter des "Internetbasierten Food-Handels" anbrechen.
Doch wer ist die primäre Zielgruppe für diese Dienstleistung? Welche Nutzenerwartung steht dahinter? Wer sind die prädestinierten Anbieter? Welche Marktgröße ist für den Online-FoodHandel realistisch?

Geht man davon aus, dass alle wichtigen funktionalen Probleme der Benutzeroberfläche gut gelöst sind, so bleiben wesentliche Unterschiede zu anderen Konsumgüterbereichen, die heute zunehmend erfolgreich über das Netz vertrieben werden. Bei einem angenommen Lebensmittelbudget von 300 Euro/Monat pro Haushalt und vier Anlieferungen zahlt der Verbraucher 20 Euro zusätzlich für die Leistung durch den Lieferdienst. Dies entspricht einer Preiserhöhung von fast 7%. Für 25-30 Prozent der Haushalte, die ganz besonders preiswert einkaufen müssen, kommt so eine Preiserhöhung nicht in Frage. Sie werden sich weiterhin konventionell bedienen. Gut verdienende Ein- und Zweipersonenhaushalte jedoch haben besseres zu tun als Lebensmittel im Laden einzukaufen - Zusatzaufwendungen machen ihnen nicht besonders viel aus. Unsere Einschätzung: Circa 10% der Haushalte werden sich künftig über Online-Lösungen im Foodmarkt bedienen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen künftig sicher Zielgruppen, die besonders gerne am Wochenende einkaufen. Das Einkaufserlebnis beim Nahrungsmitteleinkauf für das persönlich gekochte Abendessen ist hoch und wird in der Regel vor Ort gesucht. Anders verhält es sich - auch bei dieser Zielgruppe - sicher beim Einkauf von "Stock-ups", also Nahrungsmitteln, die ein sehr niedriges Involvement beinhalten. Hierzu gehören beispielsweise Butter, Trockensuppen, Senf, Sauerkonserven. Sie sind besonders einfach - auch in größeren Mengen - stapelbar und eigentlich unbegrenzt internetfähig.

Interessant wird die Entwicklung der Mindestbestellmengen und der Zustellpreise. Es kann davon ausgegangen werden, dass Handelsunternehmen, die sich im Online-Geschäft mit Nahrungsmitteln engagieren werden, entsprechende Konditionen bei der Industrie einfordern und bekommen werden. Eine neue, innovative Runde im Konditionenkarrussel beginnt.
Es wird Zeit, dass in Deutschland der Online-Handel mit Lebensmitteln in Schwung kommt. Er wird vielleicht noch zum Segen, wenn vor allem in Ostdeutschland der Betrieb von Filialsystemen auf Grund der demographischen Entwicklung (Abwanderung und negativer Geburtenüberschuss) vollkommen unrentabel wird.

Jetzt werden die Grundlagen für die Marktführerschaft gelegt. Warum bisher gezögert wurde und nicht in größerem Stile investiert bleibt eine offene Frage.
 
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