W&P Kommentar
München, 26.11.2015

Restrukturierung - externen Impulsen einen Schritt voraus

Kommentar von Lars Richter, Partner bei Dr. Wieselhuber & Partner

Auch wenn die jüngsten Finanz- und Konjunkturdaten nicht mehr so erfreulich sind: Wenn die Rede auf das Thema Restrukturierung kommt, kann man trotzdem von "Jammern auf hohem Niveau" sprechen. Dabei ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit der wirtschaftlichen Performance des Unternehmens intensiv auseinander zu setzen, denn: Aktuell herrscht hohe Liquidität im Finanzierungsmarkt - und damit ist man grundsätzlich in der Lage, das ein oder andere Restrukturierungsprogramm auch extern zu finanzieren.

Eine Branche wird derzeit bereits durch externe Impulse gezwungen, seine Geschäftsmodelle zu überdenken: Die Automobilindustrie. Denn zum einen vermelden Premiumhersteller Rekordabsatzdaten und -gewinne und erhöhen die Absatzziele. Gleichzeitig aber wird von Werksschließungen und Unterauslastung berichtet. Die Zukunft der einzelnen Marktteilnehmer ist ungewiss, da noch nicht absehbar ist, welche Technologie - sei es Elektroantriebe, Wasserstoffantriebe oder auch der klassische Verbrennungsmotor mit alternativen Treibstoffen - sich durchsetzen und damit das Gesamtkonzept Auto und auch die Wertschöpfungskette verändern wird. Neue Werkstoffe und Technologien werden mit einer intelligenten Vernetzung von Mensch, Maschine und Produkt kombiniert - Stichwort: Industrie 4.0. Das Auto wird in die Informationsgesellschaft integriert, die Fahrzeuge untereinander und mit ihrer Umwelt vernetzt - Stichwort: SMART CAR. Hinzu kommen einschneidende Veränderungen auf der Vertriebsseite: Der Online-Shop für Autos wird Realität, auch wenn es einige Markteilnehmer noch nicht wahrnehmen wollen.

In diesem Zusammenhang wird klar: Traditionelle Restrukturierungswerkzeuge, wie z.B. Personalkostenanpassung, sind nicht der Schlüssel für eine erfolgreiche Restrukturierung. Vielmehr sind umsetzungsorientierte Ansätze in Verbindung mit technologischem Expertenwissen gefragt. Ein selbst angestoßener Prozess kann auf Grund der Gestaltungshoheit in der Regel oft erfolgreich durchgeführt werden.

Wird ein Prozess zur Restrukturierung jedoch extern, z.B. durch die Kreditgeber angestoßen, gehen diese Freiheitsgrade in der Regel verloren, während gleichzeitig externe Informationsbedürfnisse befriedigt und zusätzliche regulatorische Vorschriften bearbeitet werden müssen. Mit Basel IV wird dies noch deutlicher zu spüren sein, denn schon heute fällt es auch langjährigen Bankpartnern schwer, tiefgehende Restrukturierungen zu begleiten: Die Anforderungen zur Eigenkapitalhinterlegung sind angestiegen und sie sind mitunter gezwungen, auf Zerschlagung von Unternehmen hinzuwirken, um die eigenen Risikopositionen zu reduzieren.

Darum: Externe Impulse zur Restrukturierung sollten gar nicht erst abgewartet werden! Jetzt ist der Zeitpunkt in einer grundsätzlich noch positiven gesamtwirtschaftlichen Lage die eigene wirtschaftliche Performance zu hinterfragen. Eine aktive Restrukturierung aus eigenem Impuls heraus ist große eine Chance das Unternehmen auf kommende Veränderungen vorzubereiten - und die Herausforderungen einer Krise erfolgreich zu meistern!
 
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