W&P Kommentar
München, 07.07.2015

Unternehmertum muss sich lohnen!

Kommentar von Prof. Dr. Norbert Wieselhuber, Managing Partner bei Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
Prof. Dr. Norbert Wieselhuber
Managing Partner 

Unternehmensführung ist immer mit Menschen als Mitarbeiter, Führungskraft und Unternehmen verbunden - ohne Führende und Geführte keine Unternehmensführung. Und ohne Unternehmer keine Unternehmen bzw. Unternehmungen. Kreativität, Veränderungsfähigkeit, Mut, Risikobereitschaft, Durchsteh- und Durchsetzungsvermögen, Siegermentalität, Kundenorientierung, Markt- und Technologiekompetenz, hohes persönliches Engagement und Commitment zeichnen Unternehmer aus.

Management kann man lernen - Unternehmer muss man sein
Die Motive Unternehmer zu werden sind vielfältig. Die häufig - von Neidgesellschaften, Leistungsverweigerern und Gleichmachern - angesprochene Dominanz der materiellen, finanziellen Unternehmermotivation ist absurd und zählt zu den sehr überschaubaren Ausnahmen. Unternehmer und Selbstständige sind einer permanenten 60 Stunden-Woche, mit weniger Urlaub als jeder Tarifangestellte, mit höheren existenziellen Risiken und einem Einkommen oder gar Stundenlohn, der in einem krassen Missverhältnis zum zeitlichen und inhaltlichen Engagement steht, konfrontiert. Sie beuten eher sich selbst aus als andere. Man denke hier nur an die Vielzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen, Handwerks- und Handelsbetriebe.

Gerade diese Unternehmer, die nicht täglich den Wirtschaftsteil der Medien füllen, die sogenannten Familienunternehmer, der Mittelstand - sie sind das Wurzelgeflecht, der Nährboden einer funktionierenden sozialen Marktwirtschaft. Dieses Unternehmertum ist seit jeher eine wichtige Quelle für Fortschritt und Wohlstand und gerade die Politik sollte sensibel darauf achten, dass uns die Unternehmer nicht ausgehen.

Erbschaftssteuerreform: Populistisch geführter Verteilungskampf
Die politischen Mandatsträger sollten sich mehr bemühen, Unternehmen und Unternehmer besser zu verstehen, um die richtigen Rahmenbedingungen für deren Erfolg und Fortbestehen zu schaffen. Der über die Erbschaftssteuerreform populistisch geführte Verteilungskampf und die Ausgrenzung der Erben als unberechtigte Vermögensempfänger und Einnahmenkonsumenten, ist genau das Gegenteil einer unternehmerfreundlichen Politik und Gesellschaft. Auch permanenter Bürokratieaufbau behindert Unternehmertum in gravierender Weise. Nicht zuletzt werden Start-up Unternehmen, die Zukunft unserer Gesellschaft und deren Gründer und Finanzen, zu wenig beachtet und gefördert. Die daraus resultierenden Nachteile der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sind auf vielen Zukunftsfeldern bereits heute erkennbar. Es ist bemerkenswert, dass viele Menschen den Wohlstand wollen und fordern, aber die Mittelherkunft hierfür nicht interessiert. Es sind die Steuern und Abgaben der Unternehmen, der engagierten, werteschaffenden Unternehmer und Führungskräfte, die einen entscheidenden Beitrag zum Gemeinwohl in Form von Arbeitsplätzen, Wettbewerbsfähigkeit und Steuern leisten!

Auch Unternehmer darf man loben
Wie immer im Leben gibt es nichts umsonst. Diese banale Erkenntnis trifft auch für unsere Gesellschaft zu. Unternehmer sein muss sich lohnen - und dies in mehrfacher Hinsicht:

  • Die Übernahme unternehmerischer Risiken muss, im Gegensatz zu risikolosen oder risikoarmen Tätigkeiten für den Unternehmer, angemessen "bezahlt" werden. Gewinn und Rendite sind Ziel, Folge und Voraussetzung unternehmerischer Aktivitäten. Subjektive Unternehmerziele und objektive, notwendige Ertragsziele des Unternehmens fließen in dieses übergeordnete Ziel wirtschaftlichen Handelns ein. In der Regel gehen Unternehmensinteressen vor Eigentümerinteressen.
  • Unternehmertum und erfolgreiche Unternehmensführung verdienen einen höheren sozialen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Lob und Anerkennung für unternehmerische Spitzenleistungen sind im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppierungen unterentwickelt! Auch Unternehmer und Top-Manager schöpfen ihre Leistungsmotivation, ihr überdurchschnittliches Engagement und Commitment nicht nur aus der finanziellen Entlohnung - auch wenn dies in der Öffentlichkeit häufig so dargestellt wird, sondern aus gesellschaftlicher Anerkennung. Auch Unternehmer darf man loben!

Unternehmer gestalten Produkte und Leistungen sowie Märkte, prägen Organisation, Mitarbeiterstrukturen und Unternehmenskultur und konfigurieren Wertschöpfung und das Geschäfte-Mix. Sie fixieren das Risikoprofil des Unternehmens und gestalten die Unternehmensattraktivität für Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Kapitalgeber und die Gesellschaft. Ihr Handeln ist von Verantwortungsbewusstsein und ethischen Grundsätzen geleitet. Sie bemühen sich um eine Balance zwischen ihren Individualwerten und den Institutionalwerten einer Unternehmung.

Das ist ein wahrhaft anspruchsvolles Anforderungsprofil an Unternehmer. Ein Anforderungsprofil, das - allen Trends zum Trotz - auch in Zukunft nur der Mensch, der Unternehmer, aber auch der unternehmerische Manager erfüllen wird. Ideen, Entscheidungen und Handlungen von Menschen werden somit auch weiterhin den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen begründen und unseren Wohlstand bestimmen.
 
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