W&P Kommentar
München, 14.01.2015

Kommentar: Weg mit "Quengelkassen" im Lebensmittelhandel?

Kommentar von Gerald Lindinger-Pesendorfer, Leiter Food/FMCG bei Dr. Wieselhuber & Partner
Gerald Lindinger-Pesendorfer
Leiter Food/FMCG 

"Quengelfreie Kassen in Supermärkten" - das fordert ein aktueller Koalitionsantrag zum Verkaufsverbot von Süßigkeiten im Kassenbereich . Dabei Handelt es sich um eine Entwicklung, die von einigen deutschen Lebensmittelhändlern bereits heute vorangetrieben wird. Neu und überraschend: Der Wunsch nach gesetzlicher Regelung.

Das Ziel, mittels Regulierung der Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenzuwirken, kann auch seitens Handel und Industrie nur unterstützt werden. Die Sinnhaftigkeit ist jedoch durchaus fraglich, denn: Zum einen würde ein gesetzlich vorgegebenes Verkaufsverbot das eigentliche Ziel verfehlen. Denn wie Konsumenten auf Verbote reagieren, ist spätestens seit dem großen Markterfolg der Marke "Red Bull" hinlänglich bekannt. Die einstigen Verbote des Energy-Drinks hatten gerade bei jungen Menschen einen zusätzlichen "Kauf-Reiz" ausgelöst. Zum anderen würde auch die Süßwarenindustrie mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten lassen: Die Vermarktungsaktivitäten würden schlicht in anderen Supermarktbereichen oder in TV und Internet intensiviert werden. Die Folge: Zusätzliche niedrige & junge Zielgruppen ansprechende Verkaufsdisplays und zielgerichtete digitale Werbebotschaften.

Wer also wirklich konsequent die "quengelfreie Kassenzone" umsetzen möchte, müsste analog zur Zigarettenwerbung auch die für Süßigkeiten einschränken. Den Süßigkeiten müssten dann aber auch andere - im Übermaß konsumiert - bedenkliche Lebensmittel folgen. Fertiggerichte, aber auch Fleisch- bzw. Wurstwaren... und: Ist nicht auch übermäßiger Konsum von kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Brot und Nudeln Auslöser von Fettleibigkeit?

Stopp!

Die gesetzliche Regulierung kann definitiv nicht die Lösung sein. Aufklärung, Bildung und Transparenz - das sind die Schlagworte für Konsumenten, Eltern, öffentliche Hand. Und auch Industrie und Handel dürfen sich nicht aus der Verantwortung ziehen: Dem Ruf nach Transparenz und detaillierter Auszeichnung von Inhaltsstoffen dürfen sie sich nicht verschließen! Unternehmen, die ihre Produkte nicht konsumentengerecht deklarieren, verärgern mittelfristig ihre Konsumenten. Und: Sie tragen dazu bei, dass der Ruf nach gesetzlicher Regulierung nach wie vor laut bleibt.

Für weitere Informationen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.
 
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Stephanie Meske
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