München, 13.05.2026

Kommentar von Christian Sprenger,  Partner und Leiter Operational Excellence und Fabian Dichant, Senior Manager Business Performance Improvement 

Viele Industrieunternehmen halten sich derzeit in Sachen Effizienzprojekten zurück. Nicht, weil sie ihre operativen Probleme nicht sehen. Sondern weil die Unsicherheit groß bleibt. Man hofft auf bessere Auftragseingänge, stabilere Energiepreise und eine Entspannung im Welthandel. Das ist nachvollziehbar. Tragfähig ist es aber nur, wenn die eigene Kosten- und Leistungsbasis gleichzeitig verbessert wird. Denn die Lage normalisiert sich nicht. Sie verändert nur ihre Form.  

Die neue Kostenrealität – Externe Belastungsfaktoren verschärfen den Ergebnisdruck    

Neue Zölle, geopolitische Risiken, fragile Lieferketten und hohe Lohnstückkosten treffen auf eine deutsche Industrie, deren Wachstumsspielräume begrenzt sind. Für viele Familien-unternehmen heißt das: Die Krise ist nicht vorbei. Sie ist nur weniger eindeutig als in den vergangenen Jahren und zeigt sich im operativen Alltag durch schwankende Nachfrage, steigende Gemeinkosten, instabile Planungen, hohe Kapitalbindung und eine Kostenbasis, die vielerorts nicht mehr zur Marktrealität passt.  

Gleichzeitig bleibt die betriebliche Realität häufig unverändert: Durchlaufzeiten sind zu lang, Bestände zu hoch, Rüstzeiten zu groß, Nacharbeit zu teuer, Materialflüsse zu wenig robust und Führungsroutinen zu wenig wirksam.  

Bedarf an Effizienzsteigerung ist offensichtlich  

Genau darin liegt der Widerspruch, da der Bedarf an Effizienzsteigerung offensichtlich ist. Aber ausgerechnet jetzt, wo Unternehmen ihre Kostenbasis strukturell verbessern müssten, werden Budgets dafür gekürzt oder verschoben. Wenn jedoch strukturelle Kosten- und Marktrisiken jede konjunkturelle Erholung wieder aufzehren, wird aus Vorsicht schnell ein Wettbewerbsnachteil.  

Gerade jetzt zeigt sich der Unterschied zwischen Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Kostensenkung kürzt Budgets. Effizienzsteigerung verändert die Kostenbasis. Kostensenkung reduziert Aktivität. Effizienzsteigerung erhöht Leistungsfähigkeit.  

Aufschub hilft nicht  

Natürlich müssen Unternehmen in Krisenzeiten auf Liquidität achten und Ausgaben priorisieren. Und natürlich braucht es keine Transformationsprogramme, die monatelang Konzepte produzieren, bevor am Shopfloor etwas passiert. Aber Verbesserungsarbeit einfach zu stoppen, ist selten eine echte Einsparung. Häufig ist es nur die Verschiebung eines Problems.   Denn operative Verlustquellen verschwinden nicht, wenn man Effizienzprogramme vertagt. Suchzeiten, instabile Planungen, Nacharbeit, Bestände und schwache Shopfloor-Routinen wirken weiter direkt auf Ergebnis, Liquidität und Lieferfähigkeit. Jede nicht behobene Verlustursache reduziert Kapazität, bindet Kapital oder erhöht Herstellkosten. 

Deshalb sind Effizienzprojekte in der Krise keine Schönwetter-Initiativen. Sie sind ein Instrument zur Wiederherstellung wirtschaftlicher Beweglichkeit. Wer in guten Zeiten Prozesse verbessert, verbessert Margen. Wer es in Krisenzeiten tut, verbessert Anpassungsfähigkeit. Das ist besonders für Familienunternehmen entscheidend. Sie wollen Standorte halten, Beschäftigung sichern, Lieferfähigkeit gewährleisten und ihre Unabhängigkeit bewahren. Genau dafür braucht es operative Stärke.  

Ein Unternehmen mit stabilen Prozessen, kurzen Durchlaufzeiten, beherrschten Beständen und belastbarer Shopfloor-Steuerung hat mehr Optionen: Es kann Preisdruck besser abfedern, Nachfrageanstiege schneller bedienen und Investitionen gezielter priorisieren. Entscheidend ist die Art der Umsetzung.  

Die Art der Umsetzung entscheidet

Jetzt braucht es weniger Programme mit großer Überschrift und mehr fokussierte operative Arbeit: kurze Diagnose, klare Verlustbrücke, belastbarer Business Case, priorisierte Maßnahmen, konsequente Umsetzung und messbarer Ergebnisbeitrag. Nicht jedes Unternehmen braucht sofort ein umfassendes Transformationsprogramm. Aber viele brauchen schnell Transparenz darüber, wo operative Verluste entstehen, welche kurzfristig beeinflussbar sind und welche Maßnahmen Ergebniswirkung entfalten.  

Wer nur Kosten blockiert, konserviert Ergebnisprobleme. Wer gezielt in Produktivität investiert, schafft die Voraussetzung, aus der Krise nicht nur schlanker, sondern stärker herauszukommen.  

Fazit  

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Können wir uns Effizienzprojekte in der Krise leisten? Die entscheidende Frage lautet: Können wir es uns leisten, sie weiter zu verschieben?  

Hoffnung ist kein operatives Steuerungssystem. Effizienz schon.        

 

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Hoffnung ist kein operatives Steuerungssystem: Warum Effizienzbudgets in Krisenzeiten nicht gestrichen werden dürfen  

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