Der Maschinen- und Anlagenbau steht angesichts zunehmender Volatilität, geopolitischer Unsicherheiten und wachsender internationaler Konkurrenz vor einem grundlegenden Wandel. Wie Innovation gezielt als strategischer Resilienz und Wachstumstreiber genutzt und systematisch in Unternehmen der Branche verankert werden kann, war zentrale Frage des Executive Dialogs „Neue Geschäfte durch Innovation – wie der Maschinen- und Anlagenbau umdenken kann“ von Dr. Wieselhuber & Partner (W&P).
Dr.-Ing. Dirk Artelt, Geschäftsführer Gesellschafter W&P, betonte, dass die Häufung multipler Krisen die gewohnten Management und Entscheidungslogiken vieler Industrieunternehmen an ihre Grenzen geführt habe. Das Modell, die Wettbewerbsfähigkeit im Maschinen und Anlagenbau über Jahrzehnte vor allem durch technische Exzellenz und inkrementelle Innovation im Kerngeschäft zu sichern, gerate zunehmend unter Druck. „Resilienz durch Innovation als einzige wahre Wachstumsquelle ist kein neues Vorgehen, sondern vielmehr ein Ansatz, der sich über viele Krisen hinweg bewährt hat“, so Artelt. Entscheidend sei, Innovation stärker als strategische Führungsaufgabe zu verstehen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Simon Moser, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Innovation & New Business bei W&P, zeigte im Webinar auf, warum Wachstum im Maschinen und Anlagenbau zunehmend weniger über neue Maschinen, sondern über neue Geschäftsmodelle entsteht. Zwar seien viele Unternehmen technologisch stark aufgestellt, doch blieben Potenziale aus datenbasierten Services und servicegetriebenen Erlösmodellen häufig ungenutzt. Im Mittelpunkt standen Equipment as a Service Ansätze, mit denen Hersteller neue Kundengruppen erschließen und die Kundenbindung stärken können – ohne das Kerngeschäft zu gefährden. „New Business scheitert selten an der Technologie, sondern an fehlender strategischer Einordnung, unklaren Zielbildern und einer unzureichenden Verzahnung von Vertrieb, Service und Finanzierung“, betonte Moser. Entscheidend sei, neue Geschäftsmodelle konsequent vom Kunden her zu denken und entlang konkreter Use Cases schrittweise aufzubauen.
Ferdinand Fiedler, Senior Manager Maschinen und Anlagenbau bei W&P, ordnete die strategischen Handlungsoptionen im aktuellen Marktumfeld ein. Der zunehmende Kostendruck durch internationale Wettbewerber, veränderte Kundenanforderungen sowie die abnehmende Differenzierungswirkung rein physischer Produktinnovationen machten ein Umdenken erforderlich. „Wir werden uns gegen gute asiatische Anbieter nicht mehr über zwei oder drei Prozent bessere Mechanik differenzieren können – entscheidend sind Daten, Services und die Hoheit über das gesamte Ökosystem“, so Fiedler. Unternehmen müssten ihre Zielgruppen und Wachstumsmärkte deutlich stärker fokussieren und neue Geschäftsfelder konsequent entlang bestehender Kompetenzen erschließen – sowohl zur Absicherung des Kerngeschäfts als auch zur gezielten Expansion.
In der anschließenden Werkstattdiskussion vertieften die Referenten zentrale Umsetzungsfragen. Dabei wurde deutlich, dass weniger die Entwicklung neuer Konzepte als vielmehr deren operative Verankerung die größte Herausforderung darstellt. Als kritischer Erfolgsfaktor erwies sich insbesondere die Einbindung des Managements unterhalb der Geschäftsführung: Diversifikations und Innovationsinitiativen scheiterten häufig an Akzeptanzhürden, unklaren Verantwortlichkeiten und konkurrierenden Prioritäten im Tagesgeschäft. Erfolgreich seien vor allem jene Ansätze, bei denen Führungskräfte frühzeitig in Analyse, Bewertung und Ausgestaltung neuer Geschäftsfelder eingebunden würden und Innovation als gemeinsamer Lern und Entscheidungsprozess angelegt sei. So lässt sich nicht nur die Umsetzungsfähigkeit erhöhen, sondern auch die notwendige organisatorische Anschlussfähigkeit neuer Geschäfte sicherstellen.